Logo St.Canisius Berlin
WillkommenGemeindeGottesdiensteKirchbauKitaKontakt

Gott gebe dir Mut und mache dich frei! 

Young woman dirty of green dust behind her hand by "nanihta" © Photocase.com

Die Gemeinde startete mit drei Gottesdiensten in die Fastenzeit.

8. März 2019

Mit drei Gottesdiensten startete die Gemeinde St. Canisius in die diesjährige Fastenzeit. Um 8.30 Uhr feierte P. Kraemer SJ einen Gottesdienst für Schüler, um 10 Uhr waren die Senioren dran und um 19 Uhr schließlich die Gemeinde. P. Kordischke SJ gewann dazu aus dem alttestamentlichen Buch Esther wertvolle Impulse.

P. Kraemer versuchte am frühen Morgen mit zwei Geschichten den Kindern den besinnlichen Charakter der österlichen Bußzeit anschaulich zu machen. So lehnt ein chinesischer Bauer ihm angebotene Erleichterungen ab. Eine Wasserleitung würde ihm viele Wege zur Quelle ersparen. Er freilich gibt zu bedenken, dass die Zeit für das mühsame Wasserholen ihm auch Zeit zum Nachdenken schenkt.

Die Asche ist Zeichen für die angebotene Buße, die freilich - wie man am Beispiel Ninive im Buch Jona sehen kann - freilich auch nicht unendlich ist. Man muss die Zeit schon nutzen, sonst ist sie schnell vorbei. Da muss man schon mal - so in einer weiteren Geschichte - die eigene Bequemlichkeit besiegen.

Im Gottesdienst für die Senioren wurde ebenfalls auf die Jona Geschichte Bezug genommen. Frau Barancik und Frau Kleeberg lasen mit P. Hösl SJ eine aktualisierte Form der Geschichte, unterbrochen mit Fragen an die Gottesdienstbesucher: Wo laufe ich vor Gott davon? Wo verstecke ich mich vor Gott? Wie sieht es bei mir mit der Dankbarkeit aus?

Die Abendmesse war sehr gefüllt. P. Korditschke feierte mit vielen Gläubigen aus Nah und Fern. Asche und Umkehr prägen den Beginn der Fastenzeit. Die Abendmesse in St. Canisius betrachtet beides vor dem Hintergrund des Buches Ester, einer fiktiven Geschichte, die reale Erfahrungen mit Mitteln der Satire verarbeitet: Nachdem er seine erste Frau Waschti wegen Ungehorsams beseitigt hat, zwingt der persische König Artaxeres junge Frauen zu einem Schönheitswettbewerb, um sich eine neue Königin auszusuchen. Ein Jahr lang müssen die Kandidatinnen - gefangen im Palast - kosmetische Behandlungen über sich ergehen lassen, dann verbringt der Monarch mit jeder eine "Probenacht" ... Am Ende trifft es Ester, eine jüdische Exilantin.

Als ihr neuer Ehemann ein Edikt zur Vernichtung jüdischen Lebens im ganzen Reich erlässt, entwickelt Ester eine Strategie, um ihr Volk zu retten. Bevor sie aber zum König geht, zieht sie sich für drei Tage des Fastens zurück. Im Gebet bittet sie Gott um Mut und um Befreiung von ihrer Angst. Sie wäscht sich das Make-up aus dem Gesicht und beschmiert sich stattdessen mit Asche.

Mit dieser symbolischen Handlung hat bei ihr ein Prozess der Umkehr (griech. "metanoia") eingesetzt: ein Umdenken, ein Bewusstseinswandel, eine Änderung der persönlichen Einstellung, Lebensauffassung und Weltsicht. Weil sich Esters Perspektive gewandelt hat, hat sie die Kraft gefunden, sich selbst zu verändern. Als Ester sich mit Asche bezeichnet, hat sie angefangen, "obenrum frei" (M. Stokowski) zu werden.

Der Aschermittwoch lädt dazu ein, sich - wie Ester - mit Asche zu bezeichnen  - als Ausdruck von "Obenrum-Frei-Werden": Wir alle haben vielerlei Normen, Erwartungen und Verhaltensmuster verinnerlicht, die unser Verständnis von uns selbst und unseren Mitmenschen prägen und unser Tun und Lassen bestimmen. Wir müssen uns aber nicht damit begnügen, vorgegebene Rollen so fortzuführen, wie sie jeher waren. Wir dürfen uns ihrer bewusst werden und uns fragen: "Welchen Erwartungen will ich entsprechen? Und welche sollte ich besser hinterfragen?"

Stichworte aus Esters Gebet aufgreifend, wird die Asche im Gottesdienst ausgeteilt mit den Worten: "Gott gebe dir Mut und mache dich frei."
Die Abendmesse in St. Canisius verdeutlicht: Das Buch Ester ist eine biblische Geschichte mit vielen aktuellen Bezügen ... auch zu Missbrauch und sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche.