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Verehrt. Geliebt. Vergessen. 

Ausstellung in Wittenberg

11. Juni 2019

Unter diesem Titel läuft derzeit eine evangelische (!) Ausstellung zu Maria in der Lutherstadt Wittenberg. "Maria zwischen den Konfessionen", so lautet der Untertitel. Die Ausstellung ist einen Trip nach Wittenberg wert und dort noch bis zum 18. August zu sehen.

Königin des Himmels oder Magd des Herrn? So fragt der Einladungsflyer:  Aber muss man das so bipolar sehen? Luther selber jedenfalls hatte ein positives Marienbild. Es gibt sogar ein Mariengebet von ihm im Gotteslob (Nr. 10,3).

Luther wollte die Christusbeziehung des Christen stark machen (Solus Christus). Deswegen war er kritisch gegen alles und jeden, der, die oder das sich diesem Anliegen entgegenstellt. Darunter fällt auch eine Maria, die als Himmelsgöttin verehrt wird und Christus überstrahlt und verdrängt. Aber keineswegs eine Maria als Inbegriff von Demut, Liebe und Barmherzigkeit. Maria ist in ihrer Ausrichtung auf Christus Vorbild - auch für evangelische Christen.

So gab es am Beginn der Reformationszeit lediglich eine unterschiedliche Akzentuierung in der gemeinsamen Marienverehrung. Das freilich sollte nicht so bleiben. Als sich die beiden Konfessionen in Deutschland festgesetzt hatten ? keine war so stark die andere zu verdrängen - schärften beide Kirchen ihr Profil: Die Katholiken sagten "Jetzt erst recht!", die Protestanten ließen Maria im Gegenzug ganz fallen. Die vermittelnden Stimmen hüben und drüben verhallten ungehört. Die einen schufen einen Marienwallfahrtsort mit Marienbildern und Marienstatuen nach dem anderen, die anderen zerstörten die kostbaren Bilder und Statuen auf ihrem Terrain. Jetzt wurden Maria bzw. die Heiligen überhaupt zu einem der wichtigsten Unterschiede zwischen den Konfessionen.

Der Flyer zur Ausstellung zur Konzeption: Die Ausstellung beleuchtet die wechselvolle Geschichte der Marienfrömmigkeit im Reformationsjahrhundert mit Zeugnissen der Kunst wie auch der Theologie, Literatur und Musik. Sie zeigt Verbindungen wie Unterschiede der katholischen und lutherischen Marienverehrung im 16. Jahrhundert auf. In über 120 kostbaren Schnitzplastiken, Gemälden, Grafiken und Schriften führt sie die Vielfalt der Marienbilder vor Augen, die von der prachtvollen Himmelskönigin bis zur demütigen Magd Gottes reichen.

In Luthers Arbeitszimmer hing ein Marienbild. Gleichzeitig polemisierte er heftig gegen die zahlreichen Marienwallfahrtsorte und den zeitgenössischen Marienkult. Und doch war Luthers Wittenberg auch eine Marienstadt: mit der Stadtkirche St. Marien, den Marien-Reliquien in der Schlosskirche und dem tiefen Marienglauben des Kurfürsten Friedrichs des Weisen. Die Ausstellung stellt die wechselvolle Geschichte der Marienfrömmigkeit im Reformationsjahrhundert mit wertvollen Zeugnissen der Kunst wie auch der Theologie, Literatur und Musik aus rund 50 Sammlungen vor. Die Leihgeber kommen aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien. Etwa 110 Exponate aus Kunst, Literatur und Alltag zeigen Maria zwischen den Konfessionen.

Quellen: Homepage zur Ausstellung auf www.martinluther.de

P. Manfred Hösl SJ