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Belausche die Sterne 

Fotos: Lothar Schneeberger; Betina Kuntzsch

Klangkonzert mit Joachim Gies und Denis Stilke

29. April 2018

Zu einem außer- und ungewöhnlichen Konzert luden am Samstagabend Joachim Gies und Denis Stilke. Beide hatten viele exotische Klanginstrumente mitgebracht, so dass es in der Kirche zischte, brummte, vibrierte, summte, hallte, gongte und vieles andere mehr.

Zu Beginn wandte sich der Komponist, Texter, Saxophonist und Spieler exotischer Instrumente direkt an das kleine, aber sehr aufmerksame Publikum. In einer gewissen Höhe, so Joachim Gies, gleichen sich Luft und Klänge an, werden immer ähnlicher und ununterscheidbarer. Von diesen Höhen, schon oben bei den Sternen, stammt ihre Musik. Physikalisch oder akustisch gesehen oder natürlich: gehört.

Wie soll ein solch astrales Konzerts beschrieben werden? Es begann mit einem Gong, der einen assoziativ nach Fernost versetzte. In der Tat hat der Künstler auch in Sibirien und in der Mongolei gespielt. Bei manchen Tönen konnte man sich ein buddhistisches Kloster gut vorstellen. Aber da darf man sich nicht klischeehaft verbeißen. Man darf diese Musik in keine Schablone pressen.

Dann rasselte das Schlagzeug von Denis Stilke - mit eingesprengten Mundharmonikatönen. Ein winziger Hauch von Bob Dylan? Ein Saxofon meldete sich. Dann langgedehnte Hubtöne, die in ein Tremolo mündeten. Ein Xylophon klimperte. Und war da nicht eine Spieluhr, wie wir sie aus dem Kinderzimmer kennen? Eine Melodie freilich, ein Lied, gar einen Hit, suchte man vergeblich zu hören.

Dann strich ein Streicherbogen an einer Schlagzeugzimbel. Ein Becher mit Würfeln oder Steinen erinnerte an Geräusche beim Kniffelspiel. Jetzt wurde es beschwingter. Da hallte fast so etwas wie Sambarhythmen. Oder es wurde jazzig.

Denis Stilke setzte zu einem Schlagzeugsolo an. Crescendo! Dann plötzlich Stille. Man hörte Eisenklänge, wie wenn Kinder mit einem Stock an einem Metallgeländer vorbeigehen.

Wieder buddhistische Klänge. Jedenfalls Klänge, die man als Europäer dieser Religion zuordnen könnte. Joachim Gies sprach in ein goldenes Megaphone. Eigentlich ruft man mit diesem Instrument um Hilfe ? hier schien das Instrument eher selber Hilfe zu benötigen. Es kamen nur abgestorbene Klänge heraus, letzte Piepser. Auch das Saxophon quietschte.

Jetzt kam der Schlagzeugspieler wieder auf Touren: tsch-sch-tsch-tsch ... Wieder ein Break: Stille. Ganz leise ging es weiter, so als würden die Musiker austesten, wie man maximal leise spielen kann. Die Stärke seines Schlagzeug spielenden Kompagnons sei, so Joachim Gies nach dem Konzert, dass er leise spielen kann und nicht der Versuchung erlege mit seinem Instrument "endlich loszulegen".

Eine Klarinette leitete den Schlusspart ein, der sich noch einmal zu einem Tremolo steigerte, einem Trance Tremolo. Noch einmal eine Mundharmonika, jazzige Schlussakkorde ...

Nach einer Stunde war der Klangreigen der Töne zu Ende. Nach einer Stunde der Belauschung der Sterne war man wieder gelandet und hörte irdische Geräusche - den Beifall des Publikums.

Anhang: Das Programm auf dem ausgeteilten Blatt; Infos über den Künstler und seine Musik. Siehe auch: www.joachimgies.de

Programm:
HYPERACOUSTIC ZONE (Komposition und Text: Joachim Gies)

EINLAUSCHEN IN DIE ZONE
GESCHÄRFTER WAHRNEHMUNG
DURCH VERMINDERUNG DES KLANGVOLUMENS /
ÜBERTRAGUNG FEINSTER RESONANZEN:
BLUT / KÖRPER / ZELLEN
SCHWINGUNGSRESONATOREN GENERIEREN
PULSIERENDE BEWEGUNGSMUSTER /
HÖRTHERAPIE MIT DIREKTKLÄNGEN
FÜR SUBAUDITIVE STIMULANZEN /
VERWANDLUNGEN IM LAUSCHVERFAHREN:
SUKSESSIVE SENSIBILISIERUNG ALS
SPANNUNGSTRANSMITTER FÜR ENERGIEFELDER
SUBVERSIVER HÖRAKTIVISTEN

Die Musik von Joachim Gies öffnet innere Hörräume mit aufregender
Klangvielfalt. Im Duo mit Denis Stilke, der perkussiv pulsierende Klangräume
gestaltet, entsteht ein zartes und zugleich mitreißendes Zusammenspiel.
Die beiden Musiker, die seit 17 Jahren gemeinsam auftreten, haben eine
intensive Interpretation der Kompositionen von Joachim Gies entwickelt.

Joachim Gies studierte in Berlin, er gab Konzerte in Sibirien und in der
Mongolei. Seine aktuellen Hölderlin-Vertonungen führte er mit Angela Winkler
und Gerd Wameling auf. Denis Stilke ist an vielen Projekten der innovativen
Berliner Musikszene beteiligt und studierte Schlagzeug in Berlin und Boston.