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"Christlicher Glaube ist bunt" 

Papst Franziskus hat Father Joe Pereira in Rom empfangen. Foto: privat

Dr. Sigrid Kirschniok berichtet von ihrem Treffen mit Father Joe, der 1981 die Kripa Foundation gegründet hat.

9. Juli 2018

"Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt 25,40) Dieser Vers aus dem Matthäus Evangelium ist ein Leitsatz für das Leben und Wirken von Father Joe aus Indien. Zum ersten Mal war er im Juni in Berlin und hatte sich einen Kontakt zur katholischen Gemeinde gewünscht. Ich habe ihn getroffen und ein Gespräch mit ihm geführt.

Father Joe kommt aus Vasai in Mumbai, wurde 1967 zum katholischen Priester geweiht und arbeitete über zehn Jahre eng mit Mutter Theresa zusammen. Er erzählt mir, dass sie es gewesen sei, die ihm in einer Glaubenskrise "die Hand auf sein Herz legte" , ihn in seinem Glauben bestärkte und inspirierte, sich um suchtkranke Menschen, HIV-Kranke, Prostituierte und Waisenkinder zu kümmern.

1968 lernte Father Joe durch B.K.S. Iyengar das von diesem gelehrte Iyengar-Yoga kennen. Er beschäftigte sich intensiv mit dieser Yoga-Methode, die er als eine Möglichkeit sieht, seinen tiefen christlichen Glauben mit dem spirituellen Weg des Yoga zu verbinden. Heute ist Father Joe einer der weltweit erfahrensten Iyengar-Yoga-Lehrer weltweit.

1981 gründete Father Joe die Kripa Foundation, eine Organiation, die sich in 70 Zentren in ganz Indien um Menschen am Rande der Gesellschaft kümmert: Menschen, die Drogen nehmen, auf der Straße leben, Kinder ohne Familien.
Kripa Foundation bietet praktische Unterstützung wie Essen und Unterkunft, Betreuung von Familienangehörigen und Nachbetreuung, sowie einer 24-Stunden-Hotline. Kripa Foundation kämpft aber auch gegen die Benachteiligung indischer Frauen und Mädchen, klärt über Drogenkonsum und HIV auf und bietet erkrankten Menschen Iyengar-Yoga-Therapie an.

"Das Ziel der Kripa-Foundation ist es, Patienten zu heilen und ihnen zu einem eigenständigen, selbstbestimmten Leben zu verhelfen.
Die Kripa-Foundation nimmt sich aller Menschen an, egal welcher Herkunft, ob reich oder arm, und welcher Glaubensrichtung.
Die Foundation finanziert sich über Spenden von Privaten, Firmen und öffentlichen Geldern. Für jede Spende wird eine Spendenbescheinigung ausgestellt." (aus dem Flyer: Together we make a difference)

Das lebhafte Gespräch von Father Joe und mir hat deutlich gemacht: er ist überzeugt von Iyengar-Yoga als Möglichkeit, ein suchtfreies, selbstbestimmtes und verantwortliches Leben zu führen.
Von der katholischen Kirche wünscht sich Father Joe mehr Offenheit für seine Vorstellung von tiefem christlichem Glauben in der Verbindung mit dem spirituellen Weg des Yoga. Diese Offenheit ist sicher für alle Seiten wünschenswert.

In Berlin leistet die Caritas mit ihren sozialen Projekten - getragen vom Fachkräften und Ehrenamtlichen - Unterstützung und Hilfe für Menschen in Not. Aus eigener Erfahrung in der sozialen Arbeit weiß ich aber: der Bedarf ist meistens höher als die möglichen Unterstützungsangebote.
Meditation, die Besinnung auf sich selbst, auf die Verantwortlichkeit für das eigene Leben ist vielleicht für manchen ein Weg aus Abhängigkeit und Sucht.
Vieles ist mir fremd an der Iyengar-Yoga-Lehre. Ich bin aber durch das Gespräch mit Father Joe neugierig geworden, mich genauer über Kripa Foundation zu informieren.

Für alle, die sich angesprochen fühlen, oder an einem Yoga-Workshop
interessiert sind, gibt es die Möglichkeit weitere Informationen über folgende Adresse zu bekommen:

Britta Nonnast
Iyengar Yoga Lehrerin
Bitta.nonnast@gmx.de
0170 540 42 10

Unsere Gesprächszeit von einer Stunde war schnell vorbei, ich habe mich von Father Joe verabschiedet und ich bin in meinen Arbeitsalltag gestartet.

Geblieben ist die bereichernde Gewissheit: Christlicher Glaube ist vielfältig und bunt gerade auch in der Anregung wahrzunehmen, wie es meinem Mitmenschen geht und ob er meine Unterstützung braucht und wünscht.


Dr. Sigrid Kirschniok