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Exerzitien im Alltag 

Foto: Alfred Herrmann/orden.de

Hoffen darauf, dass ER mit uns spricht und wir IHN hören

15. März 2018

Fastenzeit - Zeit auch, inne zu halten, alte Wege aufzugeben, neue zu gehen, Exerzitien im Alltag eben. Das Forum der Jesuiten begleitet derzeit 20 Erwachsene  auf einem  bewussten persönlichen Weg hin zum Osterfest. Ein Erfahrungsbericht.

Was sind Exerzitien, wozu sind sie gut? Vielleicht fällt einem als erstes das englische Wort "exercise" ein oder das alte deutsche Wort "exerzieren". Beides bedeutet üben. Exerzitien sind geistige Übungen. Übungen mit dem Ziel, ruhig zu werden, um Gottes Stimme besser hören zu können. Im Alltagslärm und -stress ist das schwierig, manchmal klappt es vielleicht in einem Traum, auf jeden Fall muss man erst einmal hören wollen - auch wenn einem dann vielleicht gar nicht gefällt, was man so hört.

Es bedeutet auf jeden Fall, die Schrifttexte näher an sich heran zu lassen, nicht nur sonntags mal kurz das Evangelium zu hören, sondern einen Bibeltext eine Woche lang Tag für Tag auf sich wirken zu lassen. Was spricht mich an diesem Bibeltext an, was fällt mir schwer, warum ärgert mich ein bestimmter Satz? Was sagt das über mich, mein Verhältnis zu Gott, zu anderen Menschen? Diese Übungen zeigen vor allem auch, dass derselbe Bibeltext zu verschiedenen Zeiten unterschiedliches in mir anspricht.
Die "Exerzitien im Alltag" sind geistliche Übungen, die über einen längeren Zeitraum hinweg unter den normalen Lebensbedingungen durchgeführt werden.

Nach einem einführenden Informationstreffen treffen wir uns über sechs Wochen einmal abends im Gemeindesaal von St. Canisius für circa 90 Minuten zum Erfahrungsaustausch, um mehr über die geistlichen Übungen nach Ignatius von Loyola zu erfahren, um gemeinsam zu meditieren und zu beten. Wir, das sind knapp 20 Erwachsene zwischen 30 und 70. Dazwischen liegen sechs Wochentage mit einer Meditation zu Hause, zu wöchentlich einem Text aus der Bibel und jeweils einer Frage zum Text für jeden Tag.

Diese Texte und die Fragen haben es in sich. Klar, die Bibelstellen kennt man, hat man schon mehrmals gehört und/oder gelesen. Aber einmal eine halbe Stunde am Tag den Text auf sich wirken zu lassen, ist schon etwas anderes, es setzt einen Prozess in Gang. Vor allem, da dieser Text einen auch die folgenden Tage begleitet, meist spukt er einem dann die ganze Woche (und oft auch noch darüber hinaus) im Kopf herum. Die Fragen, die sich die drei geistlichen Begleiter (P. Gundolf Kraemer SJ, Dr. Anke Handrock und Christine Karut) für uns überlegt haben, sind manchmal sehr erschreckend - sie treffen das eigene Leben. Woher wissen die das?

"Gott, wie sprichst Du mit mir" ist das Thema dieser Exerzitien während der Fastenzeit und wir alle hoffen, dass ER mit uns spricht, egal wie, und wir IHN hören ...