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Eine kleine Geste durchbricht die Ohnmacht 

Foto: St. Canisius

Fastenmonolog-Reihe: Veronika reicht Jesus ein Taschentuch

5. März 2018

Am Sonntagabend fand in St. Canisius der zweite Monolog in der Fastenzeit statt. Dazu schlüpfte Hannah in die Rolle der Veronika, die Jesus der Legende nach auf dessen Kreuzweg ein Schweißtuch gereicht haben soll. Was ging in der Frau dabei vor? Wie erlebte sie Jesu Passion? Hanna mit ihren Worten und Stefano Barberino mit seinen Klängen gaben einen Einblick in Veronika Seelenleben.

Nach Claudia Procula-Pilatus alias Carla war jetzt Veronika am Zug. Sie ist die zweite Frauengestalt auf Jesu Kreuzweg, deren mutmaßliches Innenleben mit Texten und Musik vorgestellt wurde. Als Requisite brauchte sie nur einen Hocker sowie ein weißes Tuch, das von der sonst ganz in schwarz gekleideten Veronika/Hannah gut abstach.

Die Lesung war wieder außer der Reihe, dieses Mal aus dem Hohen Lied der Liebe des Alten Testaments. Carla, die am letzten Sonntag dran war, las. Dort beschreibt der Verfasser eine von Liebe getriebene Frau, die durch die Gassen einer Stadt streift auf der Suche nach ihrem Geliebten. Es sind schließlich die Wächter, die ihr Auskunft geben können. Und tatsächlich: Die von Liebe erfüllte Frau findet ihn ...

Kleines Zeichen menschlicher Zuwendung

Ob Veronika sich in dieser Frau wiederfinden könnte? Im Evangelium wird sie nicht namentlich erwähnt, wohl aber ist von Frauen die Rede, die Jesus auf seinem Kreuzweg begleiteten. Der Kreuzweg reserviert für Veronika eine - die sechste - Station. Veronika hat keine Möglichkeit das furchtbare Geschehen aufzuhalten. Aber sie durchbricht die Ohnmacht und reicht Jesus ein Taschentuch, damit er wenigstens seinen Schweiß abwischen kann und wieder aus den Augen sehen kann. Aber dieses kleine Zeichen menschlicher Zuwendung ist legendär geworden. Jesus schenkt ihr bekanntlich eine kostbare Reliquie: den Abdruck seines Antlitzes.

Veronika - eine Frau voller Sehnsucht

Hannah beschrieb Veronika als eine Frau voller Sehnsucht, aber auch voller Schmerz. Ihr Handeln war nicht strategisch überlegt, sondern kam aus dem Bauch heraus, war spontan, intuitiv. Veronika hatte keinen Plan und besonders psychisch belastbar schien sie auch nicht gewesen zu sein - sie war eben ein ganz normaler Mensch, den das Leid noch nicht abgestumpft hatte. Der legendäre Moment mit dem Taschentuch war nicht die große Stunde der Theologie, sondern ein Moment eines sich bahnbrechenden Mitgefühls. Veronika tritt für einen Moment aus der Schar der ohnmächtigen Frauen von Jerusalem heraus und gibt ein Zeichen der Ermutigung: In schwerer Not ist die große Wende oft nicht leistbar, aber ein kleines Zeichen der Solidarität ist meist doch machbar.

Stefano Barberino übersetze den Monolog schließlich in Klänge und Musik. Es gab getragene Töne zu hören, ganz leise und laut. Aber würde eine Symphonie zum Kreuzweg passen? Oder zu Veronikas Innenleben?

Die Fürbitten wurden wieder in der noch abgedunkelten Kirche von den Jugendlichen vorgelesen. Sie griffen die von Veronika/Hannah aufgeworfenen Fragen noch einmal auf. Mit der Gabenbereitung erreichte dann der Gottesdienst wieder sein gewohntes Fahrwasser.

"Kleine Kraft" bringt Frieden in die Grausamkeit

Im Danklied hieß es: "Gib den Boten Kraft und Mut, Glaube Hoffnung Liebesglut". Und weiter "mit unser kleinen Kraft suchen, suchen was den Frieden schafft" (GL 481, 5+6). Veronika hat mit ihrer "kleinen Kraft" in eine Situation voller Grausamkeit ein wenig Frieden gebracht. Weniger nicht!

Dann gab es natürlich Applaus für die Hauptakteure Stefano Barberino und Hannah Desczyk für die Präsentation des (möglichen) Innenlebens der heiligen Veronika.

Fortsetzung der Fastenmonologe am 18. März - Innenleben Marias

Die kleine Reihe macht am kommenden Sonntag Pause. Den dritten und letzten Monolog am 18. März 2018 um 18 Uhr wird dann Cornelia Wegener halten. Sie wird versuchen, das Innenleben von Jesu Mutter Maria dazustellen!