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Ist unser Klima noch zu retten? 

Foto: St. Canisius

Erste Fastenpredigt in St. Canisius

18. März 2018

In einer voll gefüllten Kirche hielt Prof. Ottmar Edenhofer vom Institut für Klimaschutzfolgen in Potsdam die erste von drei Fastenpredigten. Herr Edenhofer hielt die Predigt frei und hatte auch die biblischen Lesungen selbst ausgewählt. Dr. Monika Becker fasst auf der Basis der von ihm bereitgestellten "Stichworte" die Predigt zusammengefasst.

"In der ersten Fastenpredigt unter dem Leitthema "Über die Hoffnung" nach der Ausstellungseröffnung "Hope is Maybe" sprach Professor Dr. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung über den schwierigen Weg der Christen zwischen Hybris und Fatalismus. Er begann seine Ausführungen mit Erinnerungen an Tuzla - an den zerstörten und gefährlichen Ort des furchtbaren Bürgerkriegs ihm ehemaligen Jugoslawien, in den er als junger Mann mit dem Jesuit Refugee Service Medikamente gebracht hatte, aber auch an den Ort, den er 26 Jahre später im Sonnenschein mit seinem Sohn besucht hatte, und in dem nun ein brüchiger, von neuen ethnischen Konflikten bedrohter Frieden herrschte.

Er erinnerte daran, dass zu Zeiten des Jugoslawienkriegs manche in anderem Zusammenhang von einem Ende der Geschichte gesprochen hatten, das mit dem Ende der großen Ost-West-Konflikte des 20. Jahrhunderts gekommen sei - und dass er den dünnen Firnis der Zivilisation wahrgenommen habe, der jederzeit aufbrechen könne und der den Glauben an ein stetes Voranschreiten der Menschheit zum Guten und zum Frieden erschüttern müsse.

Auch die Folgen des Klimawandels seien geeignet, Konflikte aufbrechen zu lassen, in denen Verteilungskämpfe um Ressourcen apokalyptische Szenarien als gar nicht so fernliegend erscheinend ließen. Aus der Offenbarung des Johannes stammte auch einer der Predigttexte (Offenbarung 16, 12 bis 16) , in dem Euphrat austrocknet und unreine Dämonengeister zu den Königen der ganzen Erde ausschwärmen, um sie zusammenzuholen für den Krieg.

Edenhofer hob hervor, dass es die Mächtigen der Offenbarung wenig kümmert, dass das Land verwüstet, unwirtlich wird. Sie sehen für sich die Chance, ihre Macht zu erweitern. Auch das Verschwinden des arktischen Meereises heute sei für manche weniger Grund zu Besorgnis, sondern die Hoffnung auf neue Ölreserven, mit denen der Klimawandel weiter angeheizt werde. Dabei gehe es gar nicht darum, dass die Menschen böse seien, sondern es genüge, dass aus individueller Schläue und Rationalität kollektive Dummheit und Bosheit werde.

Auch der zweite Predigttext, der zweite Brief des Apostels Paulus an Timotheus 3, 1 wies in diese Richtung, denn auch er spricht von den letzten Tagen der Menschheit, schweren Zeiten, in denen sich die Menschen aber gleichwohl nicht eines besseren besinnen, sondern sie im Gegenteil undankbarer, gieriger, unversöhnlicher, liebloser werden.

Dem Prediger lag aber nichts ferner als ein Aufruf zum passiven Fatalismus, der vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten, einen verbindlichen internationalen Vertrag zur Regelung des weltweiten CO2-Ausstoßes zu vereinbaren, aufkommen könnte. Er verwies vielmehr auf die Enzyklika Laudato Si' von Papst Franziskus, die bereits die Erkenntnis enthalte, dass die Atmosphäre ein Gemeinschaftseigentum der Menschheit sei, das einer weltumspannenden Regelung bedürfe. Dabei wich Edenhofer nicht der Frage aus, ob es nicht Hybris sei, diese Verantwortung tragen zu wollen. Er beantwortete sie mit dem letzten Predigttext, dem Gleichnis von den Talenten (Matthäus 25, 14-30), und mit einer Sentenz von Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, der gesagt hat: "Vertraue so auf Gott, als ob der Erfolg der Dinge ganz von Dir, nicht von Gott abhinge; wende dennoch dabei alle Mühe so an, als ob du nichts, Gott allein alles tun werde."

Zum Abschluss wandte sich der Prediger noch einmal mit Kant an die Gemeinde, indem er fragte, was wir hoffen dürften und rief das Bild vom Neuen Jerusalem auf, dessen Lebensbäume an den Gewässern der Stadt Zeichen einer geheilten Schöpfung sind. Diese Bilder hielten die Hoffnung wach, dass unser Einsatz Früchte tragen wird und wir in dieser Stadt leben werden. Aber nicht wir seien es, die diese Stadt entwerfen - wir seien nur die Gärtner und Arbeiter und könnten so den Grund unserer Hoffnung in einer gefährdeten Zeit bezeugen."

Dr. Monika Becker