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Ein Neuanfang muss möglich ... 

Foto: www.caritas.de

... aber auch ernst gemeint sein: dritte Fastenpredigt in St. Canisius

2. April 2019

Aller guten Dinge sind drei. Ulrike Kostka, Professorin für Moraltheologie und Direktorin des Caritas-Verbande Berlin, hielt die dritte und letzte Fastenpredigt. Ihr oblag es das Tagesevangelium, das Gleichnis vom verlorenen Sohn und barmherzigen Vater auszulegen. Dabei erinnerte sie an die Selbstverantwortlichkeit eines jeden für sein Tun, aber auch daran den in Not geratenen zu helfen.

Jeder kennt dieses Evangelium! Ist es gar schon abgenutzt? So begann Frau Kostka ihre sehr lebendige Predigt. Der verlorene Sohn ist der Inbegriff eines Losers (Verlierertypen). Was hatte der doch für hochtrabende Träume! Am Ende kam er kleinlaut, wehleidig und jammernd zurück. Er braucht Hilfe. Man kann die Reaktion des älteren Bruders nachvollziehen.

"Loser gibt es überall - bestimmt kennen auch Sie welche", sprach Frau Kostka ins Kirchenschiff. Das Heer derer, die es nicht geschafft haben, ist groß. Dabei sind die meisten nicht nur Opfer unglücklicher Umstände, sondern zu einem guten Teil auch mit schuld an ihrer Misere. Aber eben nur zum Teil. Wenn man erst einmal in der Verelendungsspirale drin ist, dann ist es schwer wieder rauszukommen. Man wird empfänglich für falsche Versprechungen und falsche Hoffnungen, wird Opfer von Ausbeutung. Da wird das Tritt fassen schwierig!

Es gibt aber nicht nur edle Arme. Meist handelt es sich um komplexe Lebensgeschichten und komplizierte soziale Verhältnisse. Die entscheidende Frage ist, wie die Spirale nach unten unterbrochen werden kann. Manchmal bedarf es dazu nur eines kleinen Schrittes.

Nicht jeder und jede wird sich den Schuh anziehen wollen, ein Loser wie der verlorene Sohn zu sein. Ganz so schlecht ist es um mich ja doch nicht bestellt, mag einer denken. Doch in jedem Leben gibt es Situationen, wo man abseits in der Ecke sitzt, nicht mehr weiter will und kann. Vielleicht ist eine Freundschaft zerbrochen, eine Sprachlosigkeit entstanden, die Beziehung zu einem Verwandten oder Kollegen gerissen.

Gott rechnet in anderen Kategorien. Er kennt keinen Menschen-TÜV. Seine Liebe ist grenzenlos, er ist auch für die Loser da. Da kann man sogar wütend werden wie der ältere Bruder: Gott kümmert sich sogar um diejenigen, die ihr Leben vergeuden oder anderen Böses tun. "Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist auch dein," so der Vater zu ihm. Um Gottes Liebe gibt es kein Wettrennen - sie ist grenzenlos und reicht für alle. Doch seine Liebe ist nicht naiv.

Der verlorene Sohn ist immerhin umgekehrt und hat seine Fehler eingestanden. Wäre er nicht zurückgekommen - wir wissen nicht, wie die Geschichte ausgegangen wäre. "Er hatte die Wahl. Er hätte auch verrecken können. Peinlich war es in jedem Fall", so die Predigerin, die drastische Lage zuspitzend.

Gott nimmt den Menschen ernst. Er ist nicht der strafende Gott, der uns nach einem Katalog nach unseren guten oder schlechten Taten bewertet. Er braucht auch keine Amtsträger oder andere hochstehende Personen. Er ist unmittelbar und will für jeden erfahrbar sein, auch wenn sie nicht - nach herkömmlichen Kategorien - perfekt sind - so Frau Kostka in einer kleinen antiklerikalen Spitze. "Er will eine Beziehung und wartet voller Liebe auf uns. Aber losgehen müssen wir schon selber."

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist kein Freibrief für Schmarotzertum. Im Gegenteil: Es erinnert eigentlich daran, wie Gott jeden Menschen geschaffen hat, voller Würde, Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Freiheit. Deshalb sei es auch wichtig, so die Predigerin, dass wir in der Kirche erwachsen miteinander umgehen und nicht immer im Messdienermodus funktionieren. Jede und jeder ist wichtig und keine und keiner ist bedeutender als der oder die andere: der psychisch Kranke, der Professor, die Lehrerin an der katholischen Schule, der Erzbischof oder der EU-Bürger, der uns mit seiner Bettelei in der U-Bahn nervt. Jeder und jede ist unverwechselbar in Gottes Hand geschrieben.

"Hoffnung", so schloss Frau Kostka, "bedeutet in diesem Sinne für mich, dass wir lernen die Menschen ein Stück mehr als gleiche zu sehen und nicht nach ihrer gesellschaftlichen Leistungsfähigkeit. Auch Versagen kommt vor. Ein Neuanfang muss immer möglich sein. Aber der muss auch ernst gemeint sein. Gott meint es ernst mit uns. Er nimmt uns an voller Liebe und Hoffnung! Amen!"