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Vom Fluch und Segen des Vergessens 

Foto: Ronald Pfaff/Pfarrbriefservice.de

Demenz oder "wenn ich nicht mehr Herr im eigenen Haus bin"

14. März 2018

Einmal im Monat treffen sich in St. Canisius die Senioren am Mittwochnachmittag. Los geht es um 15 Uhr mit einem Gottesdienst, dem sich ein gemütliches Kaffeetrinken und eine Runde eifriger Diskussionen über ein Thema anschließt. Thema im März: Vom Fluch und Segen des Vergessens ...

Das kleine, aber tapfere Häufchen von Senioren beschäftigte sich am 14. März mit einem nicht nur für Ältere brisanten Thema: Demenz. Anlass gab der letzte Satz der Tageslesung. Dort sagt Gott durch den Propheten Jesaja:

"Zion sagt: Der Herr hat mich verlassen, / Gott hat mich vergessen. Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, / eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: / ich vergesse dich nicht." (Jes 49,14f)

Wird Gott mich verlassen, wenn ich nicht mehr an ihn denken und zu ihm beten kann? Vielen Menschen mag dieser Gedanke Angst machen. Was ist, wenn ich nicht mehr "Herr im eigenen Haus" bin? Vielleicht nicht mal mehr meinen Namen oder den meiner Kinder weiß?

Aber dieses Nichtwissen wäre keine Premiere in meinem Leben. Denn an meine ersten Monate oder Jahre kann ich mich ja auch nicht erinnern. Und bin ich darüber unglücklich? Fehlt mir da etwas?

Wichtig ist, dass ich bei Gott gespeichert bin. Und genau das sagt Jesaja! Vielleicht darf man zum Satz des Psalmisten "Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge verschaffst du dir Lob" (Psalm 8) noch die Demenzkranken hinzuzählen ...

Nach dem Kaffeetrinken lasen Frau Barancik und P. Hösl ein kurioses Interview aus einem alten Spiegel-Magazin vor. Dabei ging es um eine Frau, die aufgrund einer mysteriösen Krankheit seit ihrem achten Lebensjahr nichts mehr vergessen kann. Alle Erinnerungen flimmern ihr permanent durch den Kopf! Sie erinnert sich an unzählige Begegnungen und Situationen, aber ist das ein Segen? Hat Vergessen Können nicht auch sein Gutes?

Von der Runde der anwesenden Senioren war verständlicherweise niemand auf die Frau neidisch. In einer spontanen Runde erzählten einige ihre frühesten Erinnerungen. Die meisten waren da etwa drei Jahre alt. Offenbar haben fast alle Menschen an ihre ersten Jahre keine Erinnerung. Ein Drama? Wohl eher nicht ...