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Fronleichnam so und so?! 

Fotos: St. Canisius

Drei sehr unterschiedliche Gottesdienste zu Fronleichnam in
St. Canisius: Gibt es die richtige Art, dieses Fest zu feiern?

5. Juni 2018

Am Samstag und Sonntag feierte St. Canisius mit drei sehr unterschiedlichen Gottesdiensten Fronleichnam. Die große Bandbreite ist dabei ein großer Reichtum, ist aber auch ein Risiko. Wie feiert man heute "richtig" Fronleichnam, zumal in Berlin und in St. Canisius?

Am Samstagabend gab es einen einfachen Vorabendgottesdienst zu Fronleichnam. Bei hochsommerlichen Temperaturen fanden sich immerhin ein paar Gläubige mehr als sonst zu Vorabendmesse in der Kirche ein. Ministranten gab es - wie meist am Samstag - keine. Die Orgel spielte einige Fronleichnamslieder. Die Predigt von P. Hösl SJ war übrigens in allen Gottesdiensten gleich. Dennoch waren die Gottesdienste sehr unterschiedlich. Am Samstagabend war es ein einfacher, auf die zentralen Elemente der Messe reduzierter, fast meditativer Gottesdienst. Ist der von allem Dekor und Drumherum bereinigte, nüchterne Gottesdienst die "richtige" Art Fronleichnam zu feiern?

Der Sonntagvormittagsgottesdienst war eine Mischung aus Kinder- und Erwachsenengottesdienst (9.30 Uhr und 11 Uhr), von der Form her ähnlich wie am Palmsonntag. Der Gottesdienst begann gemeinsam im offenen Raum. Man sang  a Capella "Lobe den Herrn". Dann übernahm der Kinderchor die Initiative und sang als Gloria ein englisches Loblied, dessen Refrain schon bald mitgesungen oder mitgesummt wurde. Frau Ludwig trug die Lesung vor, dem sich ein weiteres Kinderchorlied anschloss, zu dem dieses Mal von den Kindern getanzt wurde. Viele Kinder, darunter viele Erstkommunionkinder, waren dabei und machten unter den freudigen Augen der Erwachsenen mit.

Trennung von Groß und Klein
Dann trennten sich Kinder und Erwachsene: Erstere gingen in den Gemeindesaal, wo Frau Galecki ihnen eine Katechese hielt, während die Erwachsenen wieder in den Innenraum der Kirche zogen und  "normal" mit Evangelium und Predigt weiter machten. Nach der kurzen Predigt spielte die Orgel ein Medley von klassischen Fronleichnamsliedern, die nur hier in diesem Gottesdienst zu hören waren.

Plötzlich schwenkte die Orgel um und spielte ?We are the Champions? von Queen. Die Kinder kamen wieder in den Gottesdienst - und wie! Sie hatten Transparente und Symbolgegenstände dabei, die ein kommendes Großereignis ankündigten: die Fußballweltmeisterschaft in Russland!

Fronleichnamsprozessionen als "Fanbekundungen" in Sachen Jesu?
Wie leicht und normal ist es doch für Fußballfans leidenschaftlich für ihre Mannschaft zu sein! Die Kinder sangen "Wir sind das Superteam!"
Warum - dies war die mitlaufende Frage - sind wir Christen so zaghaft mit unserem Glauben? Können wir hier von der Unbefangenheit der Fußballfans etwas lernen? Sind die Fronleichnamsprozessionen nicht auch "Fanbekundungen in Sachen Jesu"? Haben unsere Kleinsten nicht zumindest einen zentralen Punkt des Fronleichnamsfest getroffen und aktualisiert in einer Sprache und mit Bildern, die Milliarden Menschen nur allzu vertraut sind?

Kleine Prozession mit Segen in die vier Himmelsrichtungen
Es gab im Anschluss an den Gottesdienst allenfalls eine kurze Prozession zum grünen Hügel neben dem Turm - übrigens mit dem einzigen eucharistischen Lied im ganzen Gottesdienst. Dort wurde dann ein Segen in vier Himmelrichtungen gespendet. Nach Osten Richtung Stadt, Regierung und Erzbischöfliches Ordinariat (EBO), nach Süden Richtung Kita, nach Westen in Richtung Lietzenseepark mit seinen vielen verschiedenen Menschen und Kulturen sowie nach Norden Richtung Kirche und Pfarrbüro. Vertreter der angedeuteten Institutionen sprachen diesen Berliner "Urbi et Orbi - der Stadt und dem Erdkreis" - Segen, zusammen mit Regina Galecki (PGR) und Bernhard Simon (KV), während P. Hösl mit der Monstranz den Segen spendete. Mit einem "Großer Gott wir loben dich" (wieder a capella) endete der bunte Gottesdienst für Jung und Alt. - Ist dies die Art "richtig" Fronleichnam zu feiern? Bunt? Fantasievoll? Mit vielen Kindern?

Fronleichnam wie in volkskatholischen Regionen

Am Sonntagabend gab es Fronleichnam so wie es viele von früher oder aus volkskatholischen Regionen (Eichsfeld, Münsterland, Bayern ...) kennen. Es gab viel Weihrauch und ein eucharistisches Lied nach dem anderen. Die Liturgie der Messe gab den Takt vor, die (erwachsenen) Messdiener hatten den Ablauf genau einstudiert und jede Bewegung überlegt. Am Ende der Messe gab es eine Prozession innerhalb der Kirche. Viele Menschen bekreuzigten sich, als die Monstranz an ihnen vorbeizog. Manche knieten sich auf den Boden, um so ihre Verehrung für das eucharistische Brot auszudrücken, obwohl das in den Stuhlreihen gar nicht so einfach ist. Am Ende der Prozession gab es das klassische "Tantum Ergo" und die lateinische Fronleichnamsbenediktion. Eucharistischer Segen und zum Schluss ein Marienlied. - Muss man so Fronleichnam feiern?

Braucht es ein "Einheitsfronleichnam"?

Wie feiert man heute, zumal in Berlin und in St. Canisius Fronleichnam? Braucht es die typischen Fronleichnamslieder oder sind das alte Zöpfe, die man endlich abschneiden sollte? Braucht es das pure "Mysterium" oder das Aggiornamento (die Verheutigung, von der das II. Vatikanische Konzil sprach)? Wo ist die Grenze zu rein äußerlichem Traditionalismus oder postmoderner Banalisierung überschritten? Gibt es eine goldene Mitte? Kann man Fronleichnam so oder so feiern? Kann man Fronleichnam so und so feiern? Kann ich es ertragen, wenn andere Fronleichnam anders feiern? Braucht es ein "Einheitsfronleichnam"? Wie wollen wir Fronleichnam feiern?

P. Manfred Hösl SJ