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Eine Führung für junge Geflüchtete 

Für viele Jugendliche war der Besuch in St. Canisius die erste Berührung mit einer katholischen Kirche.

25. Juni 2018

Sie sind erst seit kurzer Zeit in Deutschland, arbeiten hart, um die deutsche Sprache zu erlernen und haben meist einen muslimischen Hintergrund. Viele von den 20 Schülerinnen und Schülern aus zwei Willkommensklassen der Robert-Jungk-Oberschule haben noch nie eine Kirche besucht. Das hat sich am Montag, 25. Juni, mit ihrem Besuch in St. Canisius geändert.

Wie erklärt man Menschen, die vom Christentum keine Ahnung haben und noch nie in einer Kirche waren, den Raum einer Kirche? Viele Fragen, die normalerweise bei Kirchenführungen auftauchen, stellten sich nicht. Gotik oder Barock, das ist hier Jacke wie Hose! Synagoge, Tempel, Moschee und Kirche(n) unterscheiden sich, haben aber auch Gemeinsamkeiten.

So haben alle Religionen ein Eingangsritual, das den Besucher erinnert: Du gehst jetzt in einen besonderen Raum. Wie dies ausgedrückt wird, ist freilich von Religion zu Religion verschieden: Muslime ziehen bekanntlich vor dem Betreten der Moschee ihre Schuhe aus, Juden setzen eine Kippa auf und (katholische) Christen machen sich mit Weihwasser ein Kreuz auf Stirn, Mund und Herz. In allen Gotteshäusern ist man eher still als laut, man geht langsam und rennt nicht.

Die Person des Jesus Christus ist bei Muslimen und Christen wichtig. Im Koran stehen sogar mehr Wunder als im Neuen Testament. Dafür glauben Muslime nicht, dass Jesus gekreuzigt - und als Folge davon - auferstanden ist. Den Glauben an Maria, ja sogar die Jungfrauengeburt, teilen Muslime und Christen wieder.

Ein großer Fragen-Klassiker bei Kirchenführungen kam auch in dieser Gruppe auf: "Warum gibt es hier keine Kniebänke?" Alle (Gebets-) Haltungen drücken etwas aus. Aber keine einzelne Haltung kann je alles ausdrücken. So drückt die Kniebank genauso wie die muslimische Gebetshaltung "Unterwerfung" an Gott aus. Aber durch den Opfertod Jesu kann jeder Christ auch vor Gott geradestehen. Das Sitzen ist wiederum ein Tribut an die Bequemlichkeit, egal ob man in der Moschee am Freitag auf seinem Teppich sitzt oder am Sonntag in der Kirche dem Prediger zuhört.

Ewiges Licht, Tabernakel, Altar, Marienfigur, Kreuzweg ... all diese Dinge gibt es in allen (katholischen) Kirchen. Aber überall sehen die Details anders aus.

Die meist muslimischen jungen Menschen müssen viel deutsche Grammatik pauken, aber auch westliche Kultur kennenlernen. Vieles kennt man aus TV und Internet bereits. Aber nicht wenige erleiden zunächst einmal einen Kulturschock. Manche kämpfen mit dem Heimweh. Die Robert Jungk Oberschule  hat zwei Willkommensklassen eingerichtet, die junge Menschen in unserem Land mit seiner Kultur vertraut machen möchten. Dazu gehört auch der Besuch von Moscheen, Tempeln, Synagogen und Kirchen. St. Canisius war zum ersten Mal mit dabei.