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Das Kreuz im Kreuz wieder sehen lernen! 

Foto: Wikipedia

Karfreitagsliturgie in St. Canisius

20. April 2019

Mit zwei beziehungsweise drei Gottesdiensten wurde in St. Canisius am Karfreitag der Kreuzigung Jesu gedacht. Um 10 Uhr gedachten die Kinder im Rahmen eines Kinderkreuzwegs des Todes Jesu, um 15 Uhr begann die Karfreitagsliturgie mit Kreuzverehrung. Gegen 17 Uhr schließlich begann die syrische Gemeinde ihren Gottesdienst.

Der Karfreitag ist ein einzigartiger Feiertag und hat eine Liturgie, die es sonst im ganzen Kirchenjahr nicht gibt. Aber das Gefeierte ist dem modernen Menschen - erst recht Kindern - nicht leicht zu vermitteln.

Die Kinder trafen sich um 10 Uhr in der Kirche und beteten einen Kinderkreuzweg . Gleich nach dem Kindergottesdienst war Miniprobe für die Liturgie am Nachmittag.

Die Liturgie zur Todesstunde Jesu begann dann pünktlich. Viele Messdienerinnen und Messdiener zogen unter Schweigen zusammen mit Kantorin Alexandra Boulanger und P. Hösl SJ ein. Vor dem Altar fand die Prostration statt. Das Tagesgebet eröffnete den nüchternen Gottesdienst.

In den folgenden Lesungen aus dem Buch Jesaja (sog. 4. Gottesknechtlied) und dem Hebräerbrief wurde das Leiden Jesu schon in den Blick genommen, dass dann in der Johannispassion mit verteilten Leserollen entfaltet wurde. Frau Tessmer, Frau Höller-Cladders, Frau Ludwig und Herr Heyduck lasen die uralten und ergreifenden Texte.

Alexandra Boulanger, konnte auch in diesem Jahr als Kantorin für diesen Gottesdienst gewonnen werden. Sie sang die Responsorialgesänge und füllte mit ihrer klaren Stimme den Kirchenraum. Sie, aber auch die vielen Ministranten, Lektorinnen und Lektoren sowie unser Küsterteam trugen dazu bei eine ergreifende Feier zu gestalten.

In der Ansprache hob P. Hösl auf die Schwierigkeit ab, dass die Rohheit und Grausamkeit des Kreuzes heute oft nicht mehr sichtbar ist - das Kreuz ist zur Devotionalie geworden! Selbst Priester können ein Leben lang am Kreuz vorbeisehen und vorbeileben, wie der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer in seinem Buch "Gott ist nicht nett" selbstkritisch schreibt. Erst eine, auf den ersten Blick abstoßende moderne Kreuzesdarstellung, wird für ihn zum heilsamen Schrecken, der ihm bewusst macht, was da auf Golgota geschehen ist, wie die Menschen mit Jesus - und damit mit Gott - umgegangen sind, aber auch, was Gott sich hat gefallen lassen.

Die sich anschließenden Großen Fürbitten sang wieder Frau Boulanger, P. Hösl sprach die Gebete. Beim Ruf "Beuget die Knie" mussten sich die meisten Kirchenbesucherinnen und -besucher wegen der engen Platzverhältnisse und dem Fehlen der Kniebänke mit einem Neigen des Hauptes zufrieden geben.

Die Feier der Kreuzverehrung begann mit dem Auszug der Messdienerschar sowie Liturgen durch den Kinderraum. Dort wurde das bereitgelegte Kreuz, sowie Klappern und Leuchter aufgenommen. Die Ministranten klapperten und waren so im Kirchenschiff zu hören, erst leise, dann immer näher und lauter. Durch die übliche Einzugstür kam der Zug wieder ins Kirchenschiff. Am Schriftenstand sang Alexandra Boulanger das erste "Ecce Lignum". Hier und an den folgenden beiden Stationen wurde das violett verhüllte Kreuz schrittweise enthüllt. Vorne am Altar angekommen wurde es zwischen den Leuchtern abgelegt und jetzt begann die Kreuzverehrung.

Es ist sehr ergreifend zu sehen, wie die Menschen das Kreuz verehren. Alte Leute versuchen unter sichtbaren Anstrengungen in die Knie zu gehen oder wenigstens mit einem Knicks ihren Respekt vor dem Kruzifix auszudrücken, das ihnen ein Leben lang kostbar war. Junge Mädchen und kräftige Kerle zeigen ihre Art von Verehrung: Mancher unsicher, manche folgt einfach ihrem Instinkt. Einige berühren das Kreuz ganz zärtlich. Kinder schauen, wie macht's Mama oder Papa ... Hier gibt's kein richtig oder falsch. Es ist eine ergreifende Zeremonie!

Während der Kreuzverehrung wurden die klassischen Passionslieder gesungen und zwar alle Strophen. Manche kennen sie (noch) auswendig.

Am Ende der langen Kreuzverehrung trat P. Hösl noch einmal an den Altar, sprach das Schlussgebet. Genauso wortlos wie sie gekommen waren, verließen die Minis und Liturgen den Kirchraum.

Nach einer kurzen Pause war Beichtgelegenheit im Beichtraum. Dort konnte man aber schon bald liturgische Gesänge in ungewohnter Sprache hören - die syrisch-katholische Gemeinde hatte inzwischen ihren Gottesdienst, den somit dritten an diesem Tag, begonnen. In farbenfrohen Gewändern waren die Priester und Messdiener gekleidet. Viele Kinder waren im Kirchenschiff und waren allein durch ihre Präsenz ein Zeichen der Hoffnung, dass die Kirche des Nahen Ostens eine Zukunft hat.