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"Kein Weiter so" oder Maria 2.0 

Gottesdienst von Frauen für Frauen

19. Mai 2019

In ganz Deutschland gab es in dieser Woche Streiks von Frauen in der katholischen Kirche im Kontext der Aktion Maria 2.0. Auch in Berlin fand an der Hedwigskathedrale ein Gottesdienst von Frauen für Frauen statt. Auch einzelne Männer waren dabei. Monika Hein war vor Ort und schildert ein paar Eindrücke aus ihrer Sicht.

"Kein weiter so!" wäre vielleicht das bessere Motto gewesen. Unter dem Schlagwort "Maria 2.0" engagieren sich Frauen in der katholischen Kirche, die die Vertuschung von Missbrauchsfällen durch kirchliche Amtsträger beenden und ein Zeichen für die Erneuerung der Kirche setzen wollen. Am 16. Mai versammelten sich unter diesem Motto bei Nieselregen circa 150 Frauen und auch einige Männer auf dem Bebelplatz vor der St Hedwigs-Kathedrale, um gemeinsam eine Andacht zu feiern. In der Woche, in der die Initiatorinnen zu einem Kirchenstreik der Frauen aufgerufen hatten, setzten sie damit ein Zeichen gegen überholte Machtstrukturen und Männerdominanz in der Kirche. Als gläubige Katholikin kann ich dem einiges abgewinnen. Aber warum Maria 2.0? Ich glaube, das Motto hätte wirklich glücklicher gewählt werden können. Manche können sich unter 2.0 vielleicht nichts vorstellen. Und wenn schon modern, warum dann nicht gleich 4.0.?

Ich gebe zu, dass ich auch ein bisschen schlucken musste, als der Psalm 34 "Ich will den Herrn allzeit preisen, immer sei sein Lob in meinem Mund" umgeschrieben worden war in "Ich will die Ewige segnen die ganze Zeit, immerfort soll mein Mund ihr zu jubeln". Kommt es darauf wirklich an? Oder bin ich doch reaktionärer, als ich dachte? Vielleicht kommt es mehr auf den Inhalt an? Darauf, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass der Herr oder meinetwegen auch die Ewige den Menschen nah ist, die ein gebrochenes Herz haben und deren Lebensmut zerschlagen ist (Vers 19) - gerade für die Opfer sexuellen und anderen Missbrauchs muss dieser Gedanke sehr tröstend sein. Und, dass der Herr oder die Ewige, wie im Magnifikat, das anschließend gebetet wurde, diejenigen erhebt, die erniedrigt wurden und diejenigen zerstreut, die hochmütig auf andere herabsehen. Ja, wir müssen über den Klerikalismus reden. Ja, wir müssen über Machtstrukturen in der Kirche reden. Ja, dazu gehört auch die Rolle von Frauen in der Kirche. So eine Andacht kann dazu einen Beitrag leisten und Anstoß geben.

Monika Hein