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Kommunion an nichtkatholische Ehepartner? 

Foto: Peter Weidemann/pfarrbriefservice.de

Konferenztag der Seelsorger des Bistums mit Bischof Koch

14. Dezember 2018

Darf man nichtkatholischen Ehepartnern die Kommunion reichen, wenn diese darum bitten? Kann und darf der Kommunionausteiler jemanden die Kommunion verweigern? Gemeinsam mit Prof. Josef Freitag überlegten viele Priester, Diakone, Pastoralreferenten und Gemeindereferenten, wie man in dieser Frage dogmatisch richtig und pastoral klug vorgehen kann. Am späten Nachmittag kam dann noch das Thema "Missbrauch" zur Sprache.

An zwei Terminen hatte Bischof Heiner Koch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pastoralen Dienstes nach St. Elisabeth eingeladen. Der gemeinsame Tag begann mit einer Messfeier. Nach einem Kaffee führt der Erzbischof selber in die Thematik ein. Ihm ist es ein Anliegen eine gemeinsame Linie im Bistum in dieser Frage zu finden.

Dazu hatte er Prof. Josef Freitag, derzeit Spiritual des Studienhauses in Lantershofen eingeladen, der mit profunden Kenntnissen und Fragestellungen aufwarten konnte. Er stellte zunächst die Frage: Wollen wir konfessionsverbindende Ehen überhaupt oder tolerieren wir sie nur als unvermeidliches Übel? Immerhin bedeutet dies ja, dass ein Nichtkatholik Spender eines katholischen Sakramentes wäre, da sich bei einer Ehe ja die Ehepartner gegenseitig das Sakrament spenden. Desweiteren mahnte der Referent die Wichtigkeit einer Gewissensentscheidung in der katholischen Kirche an. Denn (letztlich!) ist das Gewissen oberste Instanz des Gläubigen. Wenn der Nichtkatholik zur Kommunion kommt - wer bin ich, dass ich ihm falsche Motive unterstellen dürfte? Weiter erinnerte Prof. Freitag daran, dass die katholische Ehelehre zwar sehr streng sei, dies aber von der vergleichsweise "liberalen" evangelischen Kirche stets respektiert worden ist. Jetzt sind wir schon lange - auch gemeinsam - Minderheit in einer säkularen Stadt. Müssen da nicht innerkonfessionelle Streitigkeiten zurückstehen?

Die dann folgenden Rückfragen und das Statement des Bischofs zur Praxis im Erzbistum Berlin offenbarten dann die Gräben zwischen den Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Bistum. Während sich für viele Priester hier ein Sakrileg anbahnt, das sie kaum mit ihrem Gewissen vereinbaren können, sind andere - wohl die Mehrheit - eher pragmatisch orientiert. Viele von Letzteren dürften sich sogar gefragt haben: Warum bekommt dieses Thema einen so hohen Stellenwert, da es meist doch in der Praxis längst gelöst ist: Die große Mehrheit der konfessionsverschiedenen Eheleute kommt eh nicht zum Gottesdienst und die, die kommen, dürften es sich reiflich überlegt haben!

Bischof Koch versuchte ein paar Rahmenlinien zu ziehen. Demnach werden wir in dieser Frage wohl nie eine endgültige Regelung haben, die alle Fälle umschließt. Wir brauchen eine Regelung und müssen doch immer wissen: Das Leben kann man nicht zu 100 Prozent in Paragraphen sperren. Und jenseits von Wahrheit und Richtigkeit gilt schließlich auch noch: "Der liebe Gott ist nicht so!"

Der Kommunionspender darf sich nie zum Richter des Glaubens über den erheben, der vor ihm steht und um die Kommunion bittet. Niemand muss einen Ausweis in Sachen eucharistischer Rechtgläubigkeit zücken, denn - so der Bischof: "Jesus ist nicht verschreibungspflichtig!" Schließlich: Es gibt Wirklichkeiten, die lerne ich erst, wenn ich in ihnen stecke - wer bin ich zölibatärer Priester, dass ich wüsste wie konfessionsverschiedene Ehe "geht" und mir so ein Urteil über Menschen anmaßen, die ich doch nie richtig kenne.

Am späten Nachmittag kam dann noch das Thema Missbrauch zur Sprache - viele hatten gemeint, dass man diesem Thema mehr Raum hätte geben können, da es weitaus wichtiger sei als die Freuden und Leiden in Sachen Kommunion bei konfessionsverbindenden Ehen. Generalvikar Kollig nannte vier Punkte, die das Agieren des Bistum auf diesem Feld (zukünftig) kennzeichnen:

  1. Primär ist die zivilrechtliche Überprüfung, die keinesfalls ersetzt oder gar umgangen werden darf.
  2. Ungeachtet der zivilrechtlichen Prüfung erfolgt zusätzlich eine kirchenrechtliche Prüfung, etwa im Hinblick auf eine weitere Tätigkeit eines Täters.
  3. Weitgehend noch ausstehend ist ein systemischer Blick auf Zuständigkeiten und Gruppen: Wo entsteht Missbrauch? Gibt es Umstände, die Missbrauch fördern oder verhindern, usw.?
  4. Der Erzbischof ist bereit mit allen Opfern und Opfergruppen persönlich zu sprechen.

Der Tag bot einen Einblick in das pastorale Spektrum des Bistums. Die Spannbreite von konservativ und liberal ist doch sehr groß. Was für die einen längst gängige Praxis ist, ist für andere (noch) undenkbar. Hier stellt der Dienst an der Einheit des Bistums eine große Herausforderung dar, um die der Bischof und seine Helfer im EBO wahrlich nicht zu beneiden sind.