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Kreuzzüge - Inquisition - Hexenwahn 

Symbolische Darstellung der Eroberung Jerusalems

Historische Tatsachen und neueste Forschungserkenntnisse - Veranstaltung des Forums der Jesuiten

4. Februar 2019

Drei Themen, die sicher nicht zu den Sternstunden der Kirchengeschichte gehören, wurden, von P.Krämer SJ  im Rahmen des Frühjahrsprogramms des Forums der Jesuiten, vorgetragen. Circa 30 Zuhörer waren der Einladung gefolgt. P.Krämer SJ ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sich die Kirche schwer versündigt hat und in ihrem Namen furchtbare Verbrechen begangen wurden.

Auf den Tischen im Gemeindesaal waren schon zu Beginn historische Karten vorbereitet, um die Machtverhältnisse während der Zeit der Kreuzzüge, dem ersten Thema, zu veranschaulichen. Anhand verschiedener Quellentexte, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung gestellt wurden, wurde ein differenziertes Bild früherer Zeiten gezeichnet, das die landläufige Vorstellung der christlichen Kirchengeschichte etwas korrigieren sollte.

Zur Wahrheit gehört , dass sich einige "historische Tatsachen" im Lichte der neuesten Forschungsergebnisse doch ein wenig anders darstellen als gemeinhin angenommen. So ist gilt zum Beispiel als sicher, dass hinter dem Aufruf von Papst Urban II. Jerusalem von den "Ungläubigen" zu befreien, keine religiösen sondern politische Motive eine Rolle spielten. Es sollte der byzantinische Kaiser Alexios, der außen- und innenpolitisch stark unter Druck geraten war, gestützt werden. Das rechtfertigt natürlich nicht das Blutbad, das die "christlichen" Kreuzfahrer bei der Eroberung Jerusalems anrichteten.

Auch beim Dauerthema "Galileo Galilei" gibt es neue Erkenntnisse. Gemeinsam gelesen wurde der Text "Der Fall Galileo Galilei" von Hans Conrad Zander (er war Mönch im Dominikanerorden, Reporter des "Stern" (Kisch-Preis 1983) und Gastprofessor an der Universität Essen, Autor beim WDR (Zeitzeichen) und Verfasser von Sachbüchern zur Geschichte, vor allem zur Religionsgeschichte). H. C. Zander stellt fest, dass sowohl der zuständige Inquisitor Robert Bellarmins als auch Papst Urban III Galilei gegenüber sehr wohlwollend eingestellt waren und ihm immer wieder "Brücken bauten". Warum GG über diese Brücken nicht gehen wollte oder konnte, wird für ewig sein Geheimnis bleiben. Nicht wegen Ketzerei wurde er verurteilt, sondern weil er Ansichten vertreten habe, die "der Heiligen Schrift zuwider" seien.

"Das christliche Abendland im Umgang mit dem Hexenglauben" war das dritte Thema dieses Abends. Auch hier spielte die Kirche eine unrühmliche Rolle, wahrscheinlich aber nicht in dem Umfang wie häufig dargestellt. Mit seinem "Hexenhammer" von 1487 traf der Dominikaner Heinrich Kramer den Nerv der Zeit. Fest steht, dass sowohl weltliche ebenso wie die geistlichen Gerichte beider Konfessionen auf dieses Werk zurückgriffen, obwohl eine Mehrheit der Bischöfe ein Vorgehen gegen Hexerei weitgehend ablehnend gegenüberstand. Auch die zuständigen Inquisitionsgerichte und die Päpste lehnten die Hexenverfolgung weitgehend ab. Der ganz überwiegende Teil der Prozesse lag in den Händen weltlicher Richter. Warum, kann man fragen, sind die Autoritäten der damaligen Kirche nicht dagegen eingeschritten?

Michael Kozloski/Wolfgang Christen