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"Wer war Maria Magdalena wirklich?" 

© Universal Pictures

Ostern ins Kino?

28. März 2018

In den Kinos ist rechtzeitig zu Ostern ein neuer Film mit biblischem Inhalt angelaufen. Garth Davis drehte Maria Magdalena mit Rooney Mara in der Titelrolle. Geschildert wird eine Frau, die weiß, was sie will. Gleichwohl tritt sie leise, aber auch unbeirrbar auf und wird - neben Petrus - zur gleichberechtigten Sprecherin der Apostelinnen und Apostel. Eine Rezension.


Um Maria Magdalena ranken sich viele Gerüchte. Schuld daran sind oberflächliche Bibellektüren, die sie mit anderen Frauengestalten des Neuen Testaments (NT) in eins setzen. Hat man das karge Wissen des NT erst einmal hinter sich gelassen, dann schießen die Fantasien ins Kraut, etwa wenn sie später Jesus geheiratet haben soll und Ähnliches. Zu einer ehemaligen Prostituierten wird sie erst - so im Abspanntext des Films - durch eine Papstbemerkung Jahrhunderte später. Dass das Ringen um diese Frau noch längst nicht beendet ist, zeigt auch, dass Papst Franziskus erst 2016 Maria Magdalena zur "Apostola Apostolorum" (Apostelin der Apostel) ernannt hat.

Der Film beginnt mit einer merkwürdigen Sentenz: Eine Frau - tauchend oder ertrinkend? - schwebt im Wasser. Das Bild soll den Seelenzustand Marias beschreiben, wie er dann im Film gezeichnet wird. Maria schwebt, sehnt sich nach Licht und Luft ... Aber transportiert das Bild nicht auch andere Assoziationen: die Gefahr zu ersticken und zu ertrinken? Ein zumindest gewagtes, einseitiges Bild.

Eine Frau mitten im Leben stehend

Der eigentliche Film beginnt mit einer schweren Geburt, die Maria als spontane Hebamme, die beruhigend auf die werdende Mutter einredet, meistert. Sie ist also keine weltfremde, praktisch ungeschickte Frau, sondern steht - auch beim sonst von Männern dominierten Fischen - mitten im Leben.

Allerdings wird ihr dieses Leben schnell zu eng. Sie sträubt sich, einen jungen Witwer zu ehelichen und erregt dadurch den Unverstand ihres Vaters und den Zorn ihres Bruders. Um die Tochter/Schwester zur Raison zu bringen, schleppen sie sie zu einem Exorzisten - vergeblich! Erst die Begegnung mit dem einbestellten ?Heiler? - Jesus von Nazareth - bringt eine Wende. Freilich in dem Sinn, dass sie ihre Familie verlässt und sich - zunächst als einzige Frau - den Aposteln anschließt.

Aufnahme in den "Inner Circle" ist nicht unumstritten

Unter den (männlichen) Aposteln ist man bezüglich der Aufnahme Marias in den Inner Circle der Jünger geteilter Meinung. Petrus ist sichtlich verstört, ja eifersüchtig. Der sehr menschlich gezeichnete Judas Iskariot ist dagegen sehr aufgeschlossen. Maria wird im Gefolge Jesu für den Aufbau eines weiblichen Jüngerinnenzweigs sorgen. Dabei stellt sie explizit männliche Vorstellungen der Jünger in Frage, etwa wenn sie es ablehnt sich als "Soldat" Jesu zu verstehen.

Maria Magdalena - anpackend

Anders als in den Klischees sind hier die Rollen umgedreht: Während Petrus und die anderen über krude Umsturzpläne sinnieren, steht, Maria in der praktischen Nachfolge Christi. Bei einem Besuch in einem Dorf, in dem die Römer ein Massaker angerichtet haben, will Petrus weitergehen, weil eh nichts mehr zu machen ist und sie schließlich das Evangelium predigen müssten - Maria hilft den noch lebenden Dorfbewohnern und leistet erste Hilfe!

Es passieren Wunder, am stärksten die Wiederbelebung des Lazarus. Der Einzug in Jerusalem und die Tempelreinigung schaffen eine unausweichliche Situation, aufgrund derer Jesus endlich gezwungen ist alle Vorsicht abzulegen und endlich sich an die Spitze einer Rebellionsbewegung zu setzen - so besonders die Kalkulation des Judas. Er möchte endlich wieder mit seiner verstorbenen Frau und seiner ebenfalls toten Tochter vereint sein, sie wiedersehen - deshalb will er Jesus zwingen das Warten auf das "Königreich" endlich zu beenden und Fakten zu schaffen. Der Plan misslingt natürlich und Judas scheitert tragisch an sich selbst.

Jesus - frei von Nazarenerkitsch

Endlich zu Jesus: Er wird gespielt von Joaquin Phoenix aus Puerto Ricco (der sich übrigens als Atheist versteht). Garth Davis Jesus ist relativ wortkarg. In seinen Predigten spricht er nur wenig, was man aus den Evangelien kennt. Es ist ein schon älterer, kraftvoller, männlicher, aber auch meditativer und zärtlicher Jesus, allerdings frei von süßlichem Nazarenerkitsch. Seine Wirkung im Film kommt eher von seinem Auftreten als von der Botschaft, die sich letztlich für nicht wirklich erschließt. Was will dieser Jesus eigentlich?

Maria - durch K.O.-Schlag außer Gefecht

Den durch die Tempelreinigung begonnen Ablauf zur Kreuzigung kann Maria nicht verhindern, auch weil sie mittels eines K.O.-Schlags zeitweise außer Gefecht gesetzt wurde. Sie wacht aber aus ihrer Ohnmacht noch insofern rechtzeitig auf, dass sie Jesus am Kreuz noch sieht. Jetzt weicht sie nicht mehr von Jesu Seite: Sie ist bei der Grablegung dabei und entdeckt ihn morgens vor dem Grab sitzend, mit seinem charakteristischen, zärtlichen Lächeln als Auferstandenen. Im Film tragen alle Protagonisten ungefärbte, farblose, grau-braune Gewänder - da fällt das weiße Gewand Jesu am Ostermorgen besonders auf. Maria läuft von Jesus gesandt zu den Gesandten, um ihnen von der Auferstehung zu erzählen und wird so zur "Apostola apostolorum".

Gesten der Zärtlichkeit im Dienst des "Königreichs"

Der Film ist auffällig erotikfrei. Maria ist eine schöne Frau, aber das scheint auf die Jünger keine Wirkung zu haben. Auch Maria scheint an Liebe im irdischen Sinn wenig interessiert zu sein. Lediglich der Hinweis der Mutter Jesu an sie kurz vor dem Leiden - dass nämlich beide lernen müssen loszulassen - könnte in diese Richtung gedeutet werden. Dabei setzt der Film durchaus auf Gesten der Zärtlichkeit - aber das bleibt immer im Dienst der großen Sache, dem "Königreich".

Film aus Frauenperspektive

Maria Magdalena ist ein Film aus einer Frauenperspektive, so kommt es mir als Mann jedenfalls vor. Er will mit vielen Klischees über diese Frau aufräumen und sie aus der populistischen Schublade des sinnlichen Vamps herausholen. Maria ist eine spirituelle, nachdenkliche, zupackende, emanzipierte Frau. Am Ende des Films wiederholt sich die Tauchszene. Genießt hier eine Frau die Leichtigkeit des Wassers oder strampelt sie vergeblich und ist am Ertrinken? Man(n) fragt sich: Wer war Maria Magdalena wirklich?

P. Manfred Hösl SJ