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Marsch für das Leben - Eindrücke 

Fotos: St. Canisius

Kundgebung und Gegendemonstration gehören traditionell zur Veranstaltung.

22. September 2018

Es gibt ihn in vielen Städten der Welt: den Marsch für das Leben. Seit 2002 wird auch in Berlin ein solcher veranstaltet. Anliegen der Initiatoren ist es "das Leben" zu schützen, besonders an den Rändern (Stichwort: PID, Abtreibung - Sterbehilfe).

Kritiker des Marsches kritisieren die Organisatoren als frauenfeindlich und initiieren seit Jahren lautstarke Gegendemonstrationen. Der diesjährige Marsch fand am 22. September statt. Treffpunkt war der Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof.

Wikipedia schreibt: "Der Marsch für das Leben ist eine Demonstration der Lebensrechtsbewegung in Berlin. Veranstalter ist der Bundesverband Lebensrecht. Sie richtet sich gegen Schwangerschaftsabbrüche und Praktiken der Sterbehilfe, Stammzellforschung und Präimplantationsdiagnostik.

Die Demonstration fand 2002 zum ersten Mal statt. Danach folgten Märsche 2004 und 2006. Seit 2008 findet der Marsch jährlich statt. Die Teilnehmerzahl des Marsches stieg über die Jahre an; 2016 beteiligten sich nach Polizeiangaben 6.000 Menschen. Bis 2006 hatte der Marsch den Namen 1000 Kreuze für das Leben. Seit 2008 wird der Marsch von Gegenprotesten begleitet."

Kundgebung mit Abschlussgottesdienst
Zu Beginn gab es eine Kundgebung am Washingtonplatz, zu dem man kurzfristig umgezogen war. Dort gab es Reden, unter anderem vom Politiker Josef Singhammer, und moderne Lobpreismusik. Die war ziemlich laut, aber es galt auch die Protestchöre zu übertonen. Nach einer guten Stunde setzte sich der Marsch in Bewegung. Die neue Route führte mitten durch Mitte - am Ende feierte man am Washingtonplatz einen Abschlussgottesdienst, den Weihbischof Matthias Heinrich gemeinsam mit dem Bischof Hans-Jürgen Abromeit aus Pommern zelebrierte. Dieser hielt auch die Predigt zu Gal 6,2: Einer trage des anderen Last. Dieses Wort des Paulus gilt auch und gerade in Fällen, in denen Frauen mit einer (ungewollten) Schwangerschaft Hilfe brauchen. Der erhobene Zeigefinger hilft da nicht! Das Abtreibungsverbot für Christen findet sich zwar nicht explizit in der Bibel, aber in anderen frühchristlichen Schriften, die zum Teil älter als manche Texte des NT sind (zum Beispiel Didache, Barnabasbrief oder der erste Klemensbrief).

Erhitzte Gemüter
Der Marsch für das Leben erhitzt schon immer die Gemüter. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird einem der wichtigsten christlichen Gebote Raum gegeben: dem Schutz des menschlichen Lebens von Beginn seiner Zeugung an. Die Gegner sehen in den Akteuren freilich fundamentalistische Gegner von Frauenrechten. Eine gemäßigte Mitte scheint auf solchen Veranstaltungen sehr schmal zu sein, falls es sie überhaupt gibt. Die Polizei muss mit bis zu 1000 Beamten anrücken, um einen einigermaßen störungsfreien Ablauf zu gewährleisten. Während der Marsch betont in Stille abgehalten wurde und die Marschiererinnen und Marschierer aufgefordert waren, sich friedlich zu verhalten und nicht provozieren zu lassen, skandierten die Gegner lautstark Parolen wie "Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben". Oder, etwas tiefsinniger: "Wir haben Spaß, ihr habt nur Jesus ..."

Keine pauschalen Verurteilungen
Die Veranstalter sind sehr um eine gemäßigte Sprache bemüht. Pauschale Urteile wie "Abtreibung ist Mord!" oder Holocaustvergleiche gehören der Vergangenheit an. Immer wieder kommt man auf Sterbehilfe oder andere Bereiche zu sprechen, um von der Fixierung auf das eine Thema Abtreibung wegzukommen. Die Redner versuchen sichtlich kein Öl ins Feuer zu gießen. Man betont neben dem Schutz des ungeborenen Lebens besonders die Hilfen für die schwangere Frau, die in dieser Lage nicht im Stich gelassen werden darf und der unter allen Umständen vorwurfsfrei geholfen werden muss. Das kommt freilich auf der Gegenseite nicht an.

Die Geister scheiden sich an der Frage, wie das werdende Leben im Mutterleib zu bewerten ist. Der Rest ist logische Konsequenz, auf beiden Seiten. Umgekehrt: Wer das Grundaxiom der anderen nicht versteht, der muss deren Position missverstehen.

Aufgerufen haben zur Kundgebung, Demo und abschließendem Gottesdienst der Bundesverband Lebensrecht, zu dem mehrere Initiativen gehören, die sich für den "Schutz des Lebens" einsetzen. Zur Gegendemonstration haben unter anderem die Jugendorganisationen von den Grünen und den Linken aufgerufen sowie autonome Gruppen und LGBT-Vertreterinnen und Vertreter. Ihre Forderung ist unter anderem die Streichung der Paragraphen §218 und §219.

Haltung des Episkopats
Der Riss der Einschätzung in Sachen Marsch für das Leben geht auch quer durch den Episkopat: Die katholischen Bischöfe unterstützen den Marsch weitgehend - Kardinal Marx sandte ein Grußwort und Bischof Voderholzer aus Regensburg beteiligt sich auch dieses Jahr am Marsch. Auch Bischof Koch wurde gesehen. Die EKD distanziert sich dagegen eher oder gibt keinen Kommentar ab. Bischof Dröge der EKBO ist dem Marsch kritisch eingestellt und lehnt die Aktion ab, während sein Amtsbruder aus dem Norden Abromeit ja die Predigt hielt.

Die meisten Akteure auf beiden Seiten sind jung und entsprechen nicht (mehr) den Klischees. Bei vielen Teilnehmern würde man auf der Straße kaum vermuten können, auf wessen Seite sie stehen. Besonders die "Lebensrechtler" scheinen in Sachen Sprache, Auftreten und Gelassenheit viel gelernt zu haben ...