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"Missbrauch betrifft die Kirche existentiell" 

Foto: Fenja Eisenhauer/CC-by/Quelle: jugendfotos.de, in: pfarrbriefservice.de

P. Korditschke SJ nimmt in den Hauptgottesdiensten vom Sonntag Stellung zur "Missbrauchsstudie"

23. September 2018

Vor acht Jahren brachte P. Klaus Mertes SJ, damals Rektor am Canisiuskolleg, die Missbrauchsdebatte in Deutschland ins Rollen. Seitdem ist viel passiert, aber auch aufgearbeitet worden. Noch mehr freilich ist noch zu tun. Aus Anlass der Veröffentlichung der kirchlichen Studie zum sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche in den deutschen Diözesen zwischen 1946 und 2014 änderte P. Korditschke seine angedachte Predigt und ging auf das aktuelle Thema ein - hier sind seine Hauptthesen zusammengefasst.

1670 Täter gab es nach der neuesten kirchlichen Untersuchung zum sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche und Ordensmitglieder im Verantwortungsbereich der Deutschen Bischofskonferenz zwischen 1946 und 2014. Diese Zahl, die bloß einen Mindestwert darstellt, belegt eindrücklich, dass sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche kein Randproblem ist. Sexueller Missbrauch betrifft die Kirche existentiell.

Was hier geschehen ist, geht uns alle an. Wenn wir wirklich etwas zum Guten verändern wollen, dann gelingt das also nur mit vereinten Kräften:

1. Es gilt, sich klarzumachen, dass das Leid, das insbesondere jungen Menschen und ihren Familien durch sexuellen Missbrauch angetan wurde, unermesslich und mit nichts wiedergutzumachen ist. Und der Schmerz zieht weite Kreise: Die vielen Gläubigen, die sich regelmäßig in die Kirche einbringen, fühlen sich betrogen von den Geistlichen, die andere verletzt haben, anstatt für sie da zu sein.

2. Wir alle sollten gegenüber unserer Kirchenleitung hartnäckig darauf bestehen, dass die Aufklärung dessen, was geschehen ist, weiter vorangetrieben wird.

3. Es würde auch sehr helfen, wenn sich möglichst viele von uns dafür starkmachen, dass die Kirche sich wirklich den Geschädigten zuwendet. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage angemessener finanzieller Entschädigungen zu klären.

4. Es gilt, in Zukunft immer wachsam und aufmerksam zu sein für mögliches Fehlverhalten. Wir alle sind gefordert, Dinge anzusprechen, die uns sonderbar vorkommen. Nur so können wir künftigen Missbrauch vermeiden.

5. Klerikalismus schafft ein Machtgefälle, welches die Gefahr von sexuellen Missbrauch wesentlich erhöht; denn Missbrauch nutzt in Beziehungen der Nähe ein solches Machtgefälle zu Lustgewinn, verlogener Intimität und Demütigung des anderen. Ein reiner Appell an die priesterliche Standesethik wird zur Bekämpfung des Klerikalismus nicht genügen. Es gilt, ihm entgegenzutreten, wo immer er anzutreffen ist.

6. Kirchliche Strukturen sind daraufhin zu überprüfen, inwiefern sie mögliche weitere Risikofaktoren für sexuellen Missbrauch darstellen: der Zölibat, Homophobie sowie eine männerbündische Kultur unter Klerikern.

Viel ist zu tun. Dies kostet Kraft. Doch im Vertrauen auf Gott können wir diesen unbequemen Weg gehen. Gott gebe uns Mut und Ausdauer dazu.

Zur Predigt im Wortlaut >