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Nachklang: "St. Canisius ist bunt" 

Fotos: St. Canisius

Fußball und Kunst oder als sich in der Gemeinde "zwei Welten" gegenüberstanden

6. Juli 2018

Unter dem Motto "St. Canisius ist bunt" stand das diesjährige Sommerfest der Gemeinde. Dabei ist der Titel sowohl eine Beschreibung der Wirklichkeit, die schon erreicht ist, als auch gleichzeitig ein Ziel, das stets neu erreicht werden will. Wie schwer die Umsetzung dieses Mottos sein kann, das wurde beim Zusammenprall zweier Welten kurz vor den Sommerferien deutlich ...

Die Plakate zum Sommerfest hingen schon und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Die ersten Blumen- und Kuchenspenden hatten sich bereits angekündigt. Trotzdem stellte zunächst noch ein anderes Thema alles in den Schatten: Die WM! Natürlich mit Public Viewing im Gemeindesaal. Leider flog die deutsche Mannschaft bekanntlich schon mit dem Ende der Vorrunde raus - entsprechend tief saß der Frust am Ende des Südkorea-Spiels, auch beim Schreiber dieser Zeilen.

Gleichzeitig war der Tag des unerwarteten Vorrunden-Aus der zweite Abend der Performance von Niels Weijer und seinen Akteuren. Dieser brauchte mehr Ruhe auf dem Kirchvorplatz als man den Vorverhandlungen - Herr Weijer ist Niederländer und spricht nur gebrochen Deutsch ... - entnehmen konnte.

Zwei Lager und Welten standen sich gegenüber: hier ein Künstler, der seine Semesterabschlussarbeit seinen Dozenten und Studienkollegen präsentieren wollte - dort eine von der Niederlage geschockte (Fan-) Gemeinde, die beim Grillen und ein paar Bierchen das verlorene Spiel verdauen wollten. Wird das gut gehen? "St. Canisius ist bunt!" - nur Theorie oder auch Praxis?

Die Nerven schienen auf beiden Seiten gereizt: Der Künstler sieht mit Entsetzen eine feuchtfröhliche Gruppe einen Grill aufbauen und bangt um sein Kunstwerk, für das die Ernst Busch Schauspielschule immerhin einen "kostenpflichtigen" Nutzungsvertrag mit der Gemeinde geschlossen hatte. Die Fußballfreunde der Gemeinde freilich wollen nicht recht einsehen, warum sie auf ureigenstem Gelände an diesem Abend nicht zusammen grillen dürfen. Jetzt braucht es nur einen falschen Zungenschlag, eine dumme Bemerkung und die Lage eskaliert ...

Sie eskalierte nicht! Aber alle, die dabei waren, werden zugeben: So selbstverständlich war das nicht. Das künstlerische Gebaren löste bei den Fußballfans bloßes Kopfschütteln aus. Mehr als eine Stimme sprach aus, was wohl viele dachten: "So ein Sch...!"

Kunst und Kirche - geht das gut? Ich überlege, wie wohl die - wie ich annehme - völlig säkularen Kunststudierenden einen christlichen Gottesdienst wahrnehmen (sie hatten die Auflage, die Abendmessen um 19 Uhr nicht zu behindern!). Ob ihnen das Aufstehen und Niedersetzen, die unverständlichen Lesungen des Paulus oder das so altdeutsch klingende Hochgebet nicht genauso spanisch vorkommen wie unseren Fußballfans postmoderne Kunst? Ob man mit der Erfahrung des Theaters oder eines Kinobesuchs das Geschehen eines Gottesdienstes wird je erfassen können? Was man den Kunststudierenden zu Gute halten muss: Sie haben den ihnen fremden Gottesdienst respektiert - der Satz "So ein Sch...!" ist nicht gefallen.

Als Gemeinde von Christen müssen wir davon ausgehen, dass inzwischen wohl zwei Drittel der Berlinerinnen und Berliner einer katholischen Messe genauso fremd gegenüberstehen wie der normale Christ moderner Kunst: Was soll das? Was machen die da? Viele werden abwinken und sich der Begegnung gar nicht erst aussetzen.

Am Ende können beide Parteien vom Mittwochabend stolz sein, weil sie das Motto "St. Canisius ist bunt!" letztlich umgesetzt haben. Es ist der Gemeinde gelungen, den Kunststudierenden eine Willkommensatmosphäre zu gewährleisten - trotz der schmerzenden WM-Niederlage und trotz des Unverständnisses in Sachen moderner Kunst. Niels Weijer und seine Kolleginnen und Kollegen, die Ernst Busch Schauspielschule andererseits haben eine positive Erfahrung mit Kirche gemacht.

Vielleicht hat bei beiden ein Vorurteil einen Kratzer bekommen und der Satz "So ein Sch...!" kommt beiden bei einer nächsten Begegnung nicht mehr in den Sinn.

Kunst und Kirche. Man muss die anderen ja nicht gleich mögen. Man sollte sie nur so sein lassen, wie sie sind. Das ist manchmal harte Arbeit und nicht selbstverständlich. Am 27. Juni nach dem letzten Vorrundenspiel und bei Niels Weijers zweiter Aufführung ist dies gelungen. Beide haben bewiesen: "St. Canisius ist bunt!"

P. Manfred Hösl SJ