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Italienische Autoren in Berlin 

Foto: St. Canisius

Jochen Trebesch erzählt von mediterranen
Wahrnehmungen Berlins

2. Februar 2018

Es ist eine schöne Tradition in St. Canisius, dass P. Hermann Breulmann SJ nach "seiner" Abendmesse am zweiten Sonntag eines Monats in den Gemeindesaal einlädt, um mit interessanten Gästen bei Brot, Käse und Wein ins Gespräch zu kommen. Leider blieb der Käse dieses Mal aus Krankheitsgründen auf der Strecke. Zudem war es im Gemeindesaal ziemlich frisch, aber da war man schon fast beim Thema ...

Gast des Abends war Jochen Trebesch. Er war lange Jahre Diplomat in mehreren Städten der Welt, u.a. in Rom. Seit geraumer Zeit arbeitet er ehrenamtlich im Pfarrbüro mit.

Mit Italien verbindet ihn - wie so viele Deutsche - eine Passion. Die Frage des Abends war: Basiert die Passion so vieler Deutscher für Italien auf Gegenseitigkeit? Wie sehen italienische Schriftsteller Deutschland, insbesondere Berlin?

Italiener in Berlin haben eine lange Tradition, so der Referent bei seinem halbstündigen Vortrag mit anschließender Diskussion, basierend auf seinem Buch: Wieder eine Nacht auf den Beinen. Italienische Autoren in Berlin. Nora-Verlag 2017. Der Einführungstext bei Amazon schreibt passend zum Abend:

"Giacomo Casanova bewarb sich beim Alten Fritz um eine Stelle in preußischen Diensten. Bereits zur Zeit der Hohenzollern brachten Reisende, Händler, Handwerker, Architekten und Krämer mediterranes Flair an die Spree. Im 21. Jahrhundert kehrte sich gar die deutsche Italiensehnsucht bei jungen Italienern in eine Berlinsehnsucht um. Dies allerdings weniger aus romantischen Motiven, sondern aus handfesten wirtschaftlichen Erwägungen. In den Jahrhunderten dazwischen reisten zahlreiche Journalisten, Schriftsteller, Theaterleute und Künstler hierher. Manche blieben länger. Alle fasziniert seit dem 20. Jahrhundert Berlin als eine Stadt der Literatur, des Theaters und der Kunst, in der sie Anregungen und den Austausch mit Berliner Literaten und Künstlern suchen.

Italienische Schriftstellerinnen und Autoren haben Berlin als Zeitzeugen aus der Nähe beobachtet und beschrieben. Andere ließen sich von ihren Eindrücken zu Gedichten, Romanen oder - wie Luigi Pirandello, Pier Maria Rosso di San Secondo und Dario Fo - zu Theaterstücken inspirieren. Was die Vertreter der schreibenden Zunft über ihre Aufenthalte und die Lebensart an der Spree zu Papier gebracht haben, ist nicht nur für die Berliner aufschlussreich, denen ein Spiegel vorgehalten wird. Die Eindrücke der italienischen Autorinnen und Autoren vermitteln auch ein Pasticcio des kulturellen Lebens der Stadt seit 1900 sowie ein faszinierendes Berlin- und Deutschlandbild aus einer Perspektive, der das Preußische und Nördliche - von Luther über Kant bis zur protestantischen Ethik Max Webers - zuweilen fremd bleibt. Nach einem berühmten Diktum Indro Montanellis respektieren die Italiener die Deutschen, lieben sie aber nicht, während die Deutschen die Italiener zwar lieben, aber nicht respektieren. Für Berlin scheint das in der heutigen Generation nur noch mit Einschränkungen zu gelten." (Amazon-Beschreibung des Buches)

Die Zuhörer lauschten gebannt den Worten des Vortragenden und so langsam wurde es auch wärmer im Gemeindesaal, wenngleich mediterrane Temperaturen nicht erreicht wurden. P. Breulmann leitete den Frageteil ein, zu denen auch Italiener in Berlin und St. Canisius interessante Beiträge beisteuerten.

Am Ende bedankte sich P. Breulmann beim sympathischen Referenten und den gut 40 Gästen (es mussten noch Stühle aus der Kirche nachgeholt werden!) und lud zu einem Dämmerschoppen bei Wein und Brot - leider diesmal ohne Käse ... Der nächste "Breulmann-Abend" findet am 18. Februar statt. Interviewgast ist dann der (gar nicht mehr so) neue Pfarrer von St. Canisius ...