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Erlösung - wovon? Wie? Und warum gerade so? 

Foto: www.messiah.edu

Philosophische Predigt in der Heiligen Messe vom Sonntag, 2. Juni, um 18 Uhr mit P. Jan Korditschke SJ

19. Mai 2019

P. Jan Kordischke beschließt das erste Halbjahr der "philosophischen Predigten" mit einer der zentralen Fragen der christlichen Theologie. Wir sind erlöst, so hören wir aus unzähligen Texten des Neuen Testaments, aus unzähligen Gebeten, son so vielen christlichen Liedern. Aber wovon sind wir erlöst? Und was und wie darf man sich darunter vorstellen? Vor der Sommerpause - im August geht es mit der Reihe weiter - stellt sich P. Korditschke der Erlösungsfrage und nimmt dabei auf den amerikanischen Philosophen Robin Collins Bezug.

"Was? Die Menschen sündigen, und Gottes Sohn zahlt die Zeche dafür? Ich versuchte mir vorzustellen, wie Vater zu mir sagt: ,Piscine' heute hat sich ein Löwe in die Lamagrube geschlichen und zwei Lamas gerissen. Gestern musste ein Rehbock dran glauben. Vorige Woche haben zwei von ihnen ein Kamel aufgefressen. Die Woche davor waren es Marabus und Graureiher. Und wer weiß, wer wirklich unseren Goldhasen geholt hat. So geht das nicht weiter. Es muss etwas geschehen. Ich habe beschlossen, dass die Löwen ihre Sünden nur büßen können, indem ich dich an sie verfüttere."

"Da hast du Recht, Vater, das ist ja nur logisch und vernünftig. Ich wasche mir noch eben die Hände." [...]

"Was für eine verrückte Geschichte. Was für eine verquere Psychologie."

Yann Martel, Schiffbruch mit Tiger (2003)

Dass Jesus die Menschen durch sein Leben, Sterben und Auferstehen erlöst hat, gehört zu den Kernaussagen der christlichen Botschaft. Aber was genau soll das bedeuten?

Eine gängige Erklärung, die ihren Niederschlag in vielen traditionellen Gebeten und Kirchenliedern gefunden hat, lautet: Wegen ihres Ungehorsams gegenüber Gott und der Übertretung seiner Gebote verdienten die Menschen Strafe. Aus Liebe wolle Gott den Menschen diese Strafe ersparen. Aus Gründen der Gerechtigkeit könne er aber nicht einfach auf sie verzichten. Daher nehme der Sohn Gottes durch seinen Tod am Kreuz stellvertretend für die Menschen die Strafe auf sich. So ermögliche er es seinem Vater, sich den Menschen mit neuer Barmherzigkeit zuzuwenden. In dieser stellvertretenden Bestrafung bestehe die Erlösung der Menschen durch Gott.

Aus heutiger Sicht erscheint eine solche Erklärung geradezu absurd, wie das obige Zitat aus dem Roman "Schiffbruch mit Tiger" von Yann Martell verdeutlicht.

Die Philosophische Predigt im Juni will über eine alternative Erlösungsvorstellung nachdenken, die anknüpft an das Geschehen der Menschwerdung: "Einen wunderbaren Tausch hast du [Gott] vollzogen: Dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben" (Dritte Weihnachtspräfation). Erlösung besteht demnach in Teilhabe: Gott nimmt teil am menschlichen Leben, um den Menschen Anteil an seinem göttlichen Leben zu geben.

Zu diesem Ansatz hat der US-amerikanische Philosoph Robin Collins, unter dem Stichwort "A Participatory/ Incarnational Theory of Atonement" mehrere Aufsätze verfasst, welche die Grundlage für die Überlegungen der Predigt bilden. Robin Collins ist Mennonit, erwarb seinen Ph.D. an der Catholic University of Notre Dame in Indiana und ist zurzeit Professor am Messiah College in Grantham/ Pennsylvania für Wissenschaftstheorie und Philosophie der Physik. Er publiziert unter anderem auch zum Verhältnis von Religion und Naturwissenschaft sowie zu Themen der Philosophischen Gotteslehre und Religionsphilosophie.

Aufgrund einer anderen Veranstaltung auf dem Kirchengelände kann diesmal nach der Heiligen Messe leider kein Predigtnachgespräch stattfinden. Wir bitten um Ihr Verständnis!