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Was alle angeht ... 

Die Digitalisierung als Christen aktiv mitgestalten

12. Mai 2019

Elaine Rudolphi ist pastorale Mitarbeiterin einer Gemeinde in Bremen und hat viele Jahre mit den Jesuiten in Brüssel zusammengearbeitet. Sie nahm an der re:publica teil, einem Treffen digital Interessierter. In der Denkfabrik Öffentlichkeitsarbeit stellte sie unlängst den Umgang mit den sog. Social Media dar. Hier ein kurzer Bericht von ihr über Kirche auf der republica ...

2007 begann in Berlin die re:publica als kleine Konferenz für netzaffine Bloggerinnen und Blogger. Der Name spielt mit dem lateinischen Begriff der res publica, also mit den Dingen, die alle angehen. 2019 trafen sich über 20.000 Menschen für drei Tage, um in über 500 Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops zu diskutieren und auszuloten, was die Fragen der Digitalisierung für unsere Gesellschaft bedeuten und wo und wie sich zivilgesellschaftliche Akteure in diesen Diskurs einbringen wollen.

Weil das Digitale alle Bereiche der Gesellschaft betrifft, geht es hier auch um alle Themen, die die Gesellschaft derzeit prägen. Fast alle: Religion bleibt ein Randphänomen; immerhin bei einem Vortrag über Datenschutz kommt die Kirche vor - als schlechtes Beispiel. Dies zeigt auch in erschreckender Weise, wie irrelevant Kirche in vielen gesellschaftlichen Bereichen geworden sind.

Diese Beobachtung ist wie Weckruf: Als Christinnen und Christen sollten wir die Digitalisierung aktiv mitgestalten, Kompetenz erwerben und diese auch in die Gesellschaft "einspeisen". Zuerst in unseren Kirchen. Wir haben viel zu bieten und wir haben noch sehr viel mehr zu lernen. Dazu ist die re:publica jedes Jahr ein guter Ort.

Gläubige Nerds
Die digitalaffinen Gläubigen kennen sich - zumindest liest man sich konfessionsübergreifend auf Twitter, wo unter dem Schlagwort #digitalekirche seit einigen Jahren der Auftrag und die Zukunft der Kirche im Netz debattiert wird. Deshalb gibt es ein, wie es in der Sprache der re:publica heißt, Meetup. Fast 100 Leute fühlten sich dieses Mal von der Einladung an "gläubige Nerds aller Religionen und Konfessionen" angesprochen. Unter ihnen sind ein paar wenige Ehrenamtliche und ansonsten Hauptamtliche, die in den Kirchen zum Beispiel Stellen für Online-Pastoral besetzen. Der "Mittelbau", also diejenigen, die das Leben der Pfarreien haupt- und ehrenamtlich tragen, fehlt leider.

Der Austausch darüber, wie die Kirche online präsent sein kann, zeigt auch die große Ungleichzeitigkeit: am einen Ende des Spektrums wird darüber nachgedacht, wie die Videopräsenz im Web mit interaktiven Formaten gestärkt werden kann, am anderen Ende freut sich jemand, dass der Pfarrbrief endlich als herunterladbare Datei auf der Webseite steht.

Die re:publica signalisiert uns Gläubigen vieles: Ungleichzeitigkeit, Pluralität, Irrelevanz, vielleicht auch Überforderung ... Ich finde, es ist an der Zeit, das zu ändern. Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr auf der re:publica. Es wäre ein guter Anfang!

Elaine Rudolphi
Pastorale Mitarbeiterin in St. Katharinen, Bremen
e.rudolphi@st-katharina-bremen.de