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Gedenken an die Reichsprogromnacht 

Fotos: St. Canisius

In der Trinitatiskirche wurde von Freitag- auf Samstagabend der Zerstörung jüdischer Synagogen vor 80 Jahren gedacht

12. November 2018

Vor 80 Jahren brannten in Deutschland die Synagogen und der Terror der Nationalsozialisten erreichte eine bis dahin ungeahnte Größe. Mit zahlreichen Demonstrationen, Veranstaltungen und Mahnwachen wird an die Ereignisse erinnert. Auch in der Trinitatiskirche gedachte man während des gesamten Sabbats der sogenannten Reichkristallnacht. Mit dabei waren auch Sofia und Magnus aus unserer Gemeinde.

Mit halbstündlichen Gebets- und Meditationseinheiten wurde in der Trinitatiskirche der Reichsprogromnacht vor 80 Jahren gedacht. Der Rahmen jeder halben Stunde war gleich: Zunächst ließ man eine Fülle von Löffeln neben einem Mikrofon zu Boden fallen. Das Geräusch sollte über die Lautsprecher übertragen an das Klirren der zerbrochenen Fensterscheiben an den Synagogen erinnern.

Die beiden Gebetseinheiten wurden von Sofia und Magnus sowie Franz Pfeifer (sic!) und P. Hösl SJ gestaltet. Magnus las aus Psalm 74. Die uralten Zeilen gleichen einem aktuellen Report aus dem Jahr 1938, etwa wenn es dort heißt:"Der Feind hat im Heiligtum alles verwüstet. Deine Widersacher lärmten an deiner heiligen Stätte, stellten ihre Banner auf als Zeichen des Sieges. Wie einer die Axt schwingt im Dickicht des Waldes, so zerschlugen sie all das Schnitzwerk mit Beil und Hammer. Sie legten an dein Heiligtum Feuer, entweihten die Wohnung deines Namens bis auf den Grund. Sie sagten in ihrem Herzen: 'Wir zerstören alles.' Und sie verbrannten alle Gottesstätten ringsum im Land." (Psalm 74,3b-8)

An den Psalm schloss sich ein kurzer Zeitzeugenbericht jüdischer Kinder oder Erwachsener an, in denen berichtet wurde, wie er oder sie diesen Tag erlebt hatte ? natürlich nur, insofern sie nicht später im Konzentrationslager ermordet wurden. Diese Teile lasen Franz Pfeifer und in der 2. Einheit P. Hösl.

Sofia schloss an den Bericht jeweils ein Gedicht von Rose Ausländer an sowie das berühmte Friedensgebet des Franz von Assisi: "Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Ein Gong an einer Klangschale beendete den gesprochenen Teil der Gebetseinheit und lud zur Stille ein, ehe ein weiteres Löffelklirren die nächste Gebetseinheit ankündigte."

Wer in diesen Tagen aufmerksam durch die Straßen Berlins geht, der stolpert über die sogenannten Stolpersteine, die derzeit oft geputzt und mit Blumen oder Kerzen geschmückt sind. Die Erinnerung an die damalige Nacht und die schrecklichen Ereignisse muss auch in den Kirchen wachgehalten werden. Die kleine Gruppe aus St. Canisius hatte dies - im Verbund mit vielen anderen - mit dieser einfachen Aktion versucht.