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Pastoraler Raum oder Pastorales Trauma? 

Foto: St. Canisius

Seelsorgekonferenz in der Katholischen Akademie

12. April 2018

Die Bistumsleitung lud zu einer Seelsorgekonferenz zum diözesanen Großprojekt Pastoraler Raum alle Hauptamtlichen in die Katholische Akademie. Das Thema lautete: Wie sagen Sie's den Hauptamtlichen? Gemeint: Wie erklärt die Bistumsleitung seinen Seelsorgerinnen und Seelsorgern den geplante Strukturwandel (... damit diese dann es der Basis vermitteln können).

Mit so einen Teilnehmeransturm hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Beim Gottesdienst in der Thomas-von-Aquin-Kapelle mussten einige draußen stehen, weil drinnen alles voll war. Bischof Heiner Koch und Weihbischof Matthias Heinrich standen der Feier vor. Bei den bisherigen Treffen dieser Art stand die Messe immer eher relativ am Ende ? diesmal war es umgekehrt!

Nach einem schnellen Kaffee mit Hörnchen ging es dann zur Sache. Erzbischof Koch hielt einen sehr spirituellen und nachdenklich machenden Impuls in Anlehnung an die Verklärungsgeschichte. Dabei machte er einmal mehr das Proprium der (christlichen) Religion deutlich. Bei einer Veranstaltung saß er einmal neben der Schauspielerin Christine Neubauer, die an einer Autoimmunkrankheit leidet. Sie sagte zu ihm: "Ich bin dankbar, dass ich eine Hoffnung habe!" Viele haben - so der Erzbischof - diese nämlich nicht. Eher durch Zufall war er eines Tages zu Besuch bei der Trauerfeier eines Atheisten, dessen Frau gestorben war. Es sollte ? so der Witwer später - wenigstens einer da sein, der eine Hoffnung hat.

Viele Zeitgenossen leben nämlich wie in Jean Pauls Großinquisitor in dem Bewusstsein: Es ist kein Gott! Nur leeres Weltall! Kein Vater! Es gibt keine letzte Vergebung und keine Rehabilitierung! Dem können und müssen wir Christen unsere lebendige Hoffnung entgegenhalten. Vielleicht der Auftrag in zunehmend säkularen Zeiten.

Generalvikar Kollig schloss sich dem Statement des Bischofs an und deutete in sieben Schritten einen Ausspruch des Jesuiten P. Alfred Delp: Die Welt ist Gottes so voll!

Gott muss demnach nicht erst zu den Menschen gebracht werden - er ist und war schon immer bei ihnen! Auch in Kontexten, in denen man zunächst gar nicht auf Kirche reflektiert. Ein kurzer Film über einen Missionar, der über 25 Jahre in Mexico City gearbeitet hat, half dabei die Augen zu öffnen und Gott bei der Arbeit zu sehen. Der Generalvikar mahnte die Versammelten sich als "Erben" zu betrachten: Erben von Kapital und freilich auch von Schulden. Es gilt nun daraus etwas zu machen!

Statt eines üppigen Mittagessens gab es nur einen kleinen (aber leckeren) Snack und dann ging es gleich weiter, dem Mittagsdämon zum Trotz. Jetzt wurde an den Tischen diskutiert: Was beschäftigt mich von dem Gehörten am meisten - woran stoße ich mich? In einer kurzen Plenumsrunde fielen am häufigsten die Signalwörter Communio und Partizipation.

Nach der Kaffeepause gingen die Diskussionen in eine zweite Runde, wobei das Wort Partizipation noch einmal ins Spiel gebracht wurde. Während eine Stimme mehr Teilnahmemöglichkeiten einklagte, beklagte die Bistumsseite eher die Verweigerung von Kommunikation und Partizipation. Während die eine Seite die ewigen Wiederholungen der sattsam bekannten Themen im Kontext von Pastoraler Raum beklagte, gab der Bischof zu Bedenken, wie oft er Seelsorger träfe, die "noch nie" etwas in Sachen Pastoraler Raum gelesen oder gehört hätten.

Die Seelsorgekonferenz ist ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zur Umsetzung des Projekts Pastoraler Raum. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Und zwar auch bei den Hauptamtlichen, damit diese die Botschaft ihrerseits überzeugend in ihre Gemeinden und Institutionen weitergeben.