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Anton und Tyron sind jetzt Christen 

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Taufen in St. Canisius

23. März 2019

Fast an jedem Samstag und manchmal auch unter der Woche findet in St. Canisius eine Taufe statt. Manchmal werden auch mehrere Kinder zusammen getauft. Jede Taufe ist anders und besonders. Die Feiern spiegeln die Bandbreite der katholischen (wörtlich: universalen) Kirche wieder. Ein kleiner Einblick von P. Manfred Hösl SJ ...

Antons Eltern waren knapp davor gewesen, die Taufe ihres Sohnes abzusagen, denn ein schrecklicher Zwischenfall ereignete sich vor Antons großem Tag: Sein Großvater war verstorben. Kann man jetzt Taufe feiern? Die Familie überlegte lange und beschloss schließlich: Jetzt erst Recht! Denn dies ist ja eine signifikante Bedeutung der Taufe: Der oder die Getaufte wird Teil einer Gemeinschaft, die auch der Tod nicht aufkündigen kann. Aus allen anderen Mitgliederkarteien fliegt man raus, in der Kirche steigt man auf in den Kreis der schon Vollendeten. Das bedeutet nicht, dass man nicht die eine oder andere Träne dennoch vergießt, aber am Ende steht das in der Taufe zugesagte Leben, nicht der Tod. Von dieser Gewissheit kündete das ganze Liedheftchen, dass Antons Mutter gestaltet hatte, mit vielen Fotos ihrer beiden Kinder und liebgewordenen Texte.

Tyrons Eltern haben deutsche und kubanische Wurzeln. Die Familie ist eine Art Weltkirche im Kleinen. Ein offizielles "Programm" gab es gar nicht, auch kein Liedheft. Andreas Winkler spielte ein paar Takte und wenn die Melodie wie Amazing Grace bekannt war, dann summte man mit oder sang den Kehrvers. Wen etwas angesprochen hatte, der warf ein "Amen" in den Kirchenraum. Das Vater Unser am Schluss betete jeder in seiner Muttersprache: deutsch, spanisch, wie auch immer.

Fast die Regel ist, dass viele Personen der Taufgesellschaft keinen christlichen Hintergrund (mehr) haben, manchmal seit mehreren Generationen. Diese Gäste sollen sich bei uns besonders willkommen fühlen. Alle sollen alles mitbeten und mitsingen dürfen, aber niemand soll das Gefühl haben, einen Glauben übergestülpt zu bekommen, den man (noch) nicht haben möchte. Auch für viele Christen ist eine Taufe oft eine Gelegenheit nach vielen Jahren wieder einmal in einem Gottesdienst zu sein. Sie alle sollen sich willkommen fühlen.

Da viele Gäste keine klassischen Gebete und Gesänge mehr kennen, besteht die Herausforderung immer mehr darin, liturgische Formen zu finden, die auch ohne Vorkenntnisse von allen mitgefeiert werden können. Aber gerade die katholische Liturgie ist reich an Formen, die fast selbsterklärend sind. Vieles entsteht auch spontan, aus der Feier heraus. "Sollen wir noch ein Marienlied singen? Oh ja! Wer kennt eins? Segne du Maria ..." Diese Gottesdienste sind keinesfalls würdelos, im Gegenteil. Was es auf jeden Fall nicht (mehr) gibt, sind lieblos heruntergefeierte Rituale, deren Bezug zum Leben nicht erkennbar ist.