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Zu Gast in Surinam 

Fotos: St. Canisius

Gottes Schöpfung ist sehr gut - Weltgebetstag 2018

2. März 2018

Abwechselnd in St. Canisius und der ev. Kirche am Lietzensee findet in unserer Nähe der Weltgebetstag der Frauen (WGT) statt. In diesem Jahr standen das kleinste lateinamerikanische Land Surinam und die Freuden und Leiden der Frauen dort im Focus. Der ökumenische Gottesdienst war von vielen Frauen gestaltet und dekoriert worden. Anschließend gab es typisches Essen und warmen Tee im Gemeindesaal.

Seit 1897 gibt es den Weltgebetstag der Frauen, wenn man mal die lange unscheinbaren Vorläuferveranstaltungen mitzählt. Am 4. März 1927 schließlich wurde der erste Weltgebetstag in der - mehr oder minder - heutigen Form gefeiert. Mehr Infos zur Geschichte finden Sie im entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Surinam - Schöpfung erhalten

Der WGT 2018 hatte das kleine Land Surinam im Fokus. Die gut eine halbe Million Einwohner kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen der Welt - dies wurde auch im Gottesdienst deutlich.

Jedes Jahr gibt es ein Textheft, so dass überall auf der Erde die gleichen Lieder und Gebete gesprochen werden. Der WGT in unserer Nähe findet abwechselnd in St. Canisius und in der evangelischen Kirche am Lietzensee statt.

Mehrere Frauen hatten den Gottesdienst vorbereitet, die Kirche passend geschmückt und für eine angenehme Willkommensatmosphäre gesorgt. Am wichtigsten freilich war: Die Kirche war angesichts der Eiseskälte draußen schön warm.

Der Gottesdienst stand unter dem Motto "Gottes Schöpfung ist sehr gut". Das kann man in Surinam sehr gut sehen: Das Land ist voll von Regenwald und verfügt über große Bodenschätze (Gold, Bauxit u.a.). Aber das ist eben nur die eine Seite: die andere ist, dass eben diese Schätze oder deren Ausbeutung Gottes Schöpfung bedrohen. Und so war die vorgelesene Schöpfungsgeschichte nicht nur eine Erzählung, sondern auch ein Auftrag an die Zuhörerinnen und Zuhörer diese Schöpfung zu erhalten - Stichwort "Klimawandel".

Große ethnische Bandbreite


Zu Beginn stellten sieben Sprecherinnen sieben Frauen aus Surinam mit ihren Freuden und Sorgen vor. Interessant wie groß die ethnische Bandbreite bei der Bevölkerung dort ist: Alima gehört dem Volk der Arawak an, Muyingas Vorfahren stammen aus Afrika, Mein Ling verrät eine chinesische Abstammung, Carolina hat eine europäischen Vater und eine kreolische Mutter, Willemiens Großeltern kamen aus den Niederlanden - Niederländisch ist heute noch die Amtssprache in Surinam - Shanti wiederum hat indische Wurzeln und last but not least Kartini aus indonesischem Kontext. Damit ist Surinam auch ein Beispiel dafür, dass unterschiedliche Kulturen sehr wohl zusammen leben können. Die Sorgen dieser ganz unterschiedlichen, aber voll im Leben stehenden Frauen tauchten dann auch in den Fürbitten auf.

Mutige Frauen als Vorbild

Für die Musik sorgt seit Jahren Gitarrenspieler Stefan Pick. Er schaffte es mit schwungvollen Griffen die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher für die zum großen Teil ja völlig unbekannten Lieder zu begeistern. Pfarrerin i.R. Böck aus der Gemeinde vor Ort brachte in ihrer kurzen Ansprache den Schöpfungsauftrag in Erinnerung. Auch Rückschläge, wie der Ausstieg der USA aus der Klimaschutzkonferenz, dürfen uns nicht entmutigen, beherzt für den Umweltschutz einzutreten, so die ehemalige Pfarrerin vor Ort. Die mutigen Frauen von Surinam können hier ein Vorbild sein. Man denke nur an die stolze, aber auch spirituelle Frau auf dem Titelbild: Gran tangi gi Mama Aisa - in gratitude to mother earth!

Nach dem Vater Unser und dem Segen luden die Veranstalterinnen in den Gemeindesaal ein. Dort gab es kulinarische Kostbarkeiten aus dem Gastgeberland Surinam.

Kommentar

Der WGT ist eine weltweite Basisbewegung und die größte Frauengebetsaktion der Welt. Es ist nicht leicht, einerseits ein Land mit seinen Frauenschicksalen (2017: Philippinen 2018: Surinam 2019: Slowenien?) in den Blick zu nehmen und dennoch die Herzen aller Frauen (und gerne auch Männer) anzusprechen.
Der Gottesdienst 2018 widmete sich sehr stark der Werbung, ja Aufforderung zum Klima- und Umweltschutz. Ein wichtiges Thema, zweifellos! Hier besteht aber leicht die Gefahr ins Moralische und Moralinische zu kippen. Auch scheint mir der WGT in unseren Breiten weitgehend von einer älteren Generation getragen zu werden - junge Frauen waren unter den gut 60 Gottesdienstbesucherinnen und -besucher nämlich sehr wenige. Warum spricht der WGT zumindest in unseren Breiten jüngere Frauen nicht mehr an?

Vielleicht suchen Menschen unseres Kulturkreises weniger nach Imperativen, wo man sich engagieren sollte als vielmehr an Begründungen, warum man dies tun kann - weil Gott uns diese Erde geschenkt hat - dies kam in Gottesdienst breit vor! - und wir durch das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi - dies kam gar nicht vor! - auch die Zuversicht auf einen "neuen Himmel und eine neue Erde" (Offb 21) haben dürfen. Ohne dieses Wissen wird eingefordertes Engagement leicht als moralisch rüberkommen und stößt auf Desinteresse oder gar Abwehr. Mit diesem Wissen ist Engagement für die Schöpfung eine logische Folge oder - wie der Apostel Paulus mal sagt - "Früchte des Geistes" (Gal 5,22f).

Nächstes Jahr findet der WGT in St. Canisius statt ? Sie sind alle herzlich willkommen!

P. Manfred Hösl SJ