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Baugeschichte der Pfarrkiche St. Canisius 

Die Pfarrkiche St. Canisius in Berlin-Charlottenburg wurde am 30. April 1995 durch ein Großfeuer vollständig zerstört. Das war ein großer Verlust und ein lange nachwirkender Schaden für die Gemeinde. Die über Berlin hinaus bekannte, 1955 vom Architekten Reinhard Hofbauer geplante und neugebaute Kirche entstand nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs als ein Zeichen der Hoffnung und des Wiederaufbaus. St. Canisius war groß, hatte eine bemerkenswerte Form und verfügte in zwei Bankreihen über 450 Sitzplätze. Eine bedeutende Orgel unterstützte den angesehenen Kirchenchor. Als die Westberliner nach dem Bau der Mauer nicht mehr zur Hedwigskathedrale konnten, war St. Canisius in Westberlin die Kirche für zentrale Feiern, z.B. am Fronleichnamsfest. Der materielle Wert der Kirche war nicht gering: 12,5 Millionen DM erstattete die Allianzversicherung für den Brandschaden.

Bald nach dem Brand und der Beseitigung der Reste wollte die Gemeinde mit Zustimmung des  Erzbistums Berlin und der Jesuiten möglichst kurzfristig den Wiederaufbau verwirklichen. In einem eingeladenen Realisierungswettbewerb wurde der Neubau der Kirche und zugleich eine wirtschaftliche Verwertung der Freiflächen durch ein Seniorenzentrum und eine Neuordnung für die in zwei Gebäuden geteilte Kindertagesstätte ausgelobt. Ein Preisgericht gab im November 1996 eine schriftliche Empfehlung für die weitere Bearbeitung. Danach war die Kirchengemeinde verpflichtet unter Würdigung der Empfehlungen des Preisgerichts einen oder mehrere Preisträger mit den Architektenleistungen nach HOAI § 15, mindestens mit den Leistungsphasen 1-5 zu beauftragen, soweit die dem Wettbewerb zugrunde liegenden Arbeiten realisiert werden sollten. Die drei Preisträger waren: 1. Prof. Schmidt-Thomsen, 2. Dr. Edgar Wisniewski und 3. das Büro Büttner, Neumann, Braun.

Der Pfarrgemeinderat empfahl den Entwurf des zweiten Preisträgers weiterzuverfolgen. Denn er entsprach von den prämierten Entwürfen am ehesten den gottesdienstlichen Vorstellungen der Gemeinde. Dem Kirchenvorstand als gewählte Vertretung der Gemeinde oblag die Funktion des Bauherrn. Ihm gelang es nicht -  trotz intensiver Verhandlungen und der Unterstützung durch das kirchliche Bauamt - einen Architektenvertrag mit dem zweiten Preisträger zu vereinbaren. Daraufhin trennte sich der Kirchenvorstand von den Entwürfen des Wettbewerbs und erklärte diesen im August 1997 für aufgehoben. Diese Entscheidung führte zu einer Auseinandersetzung in der Gemeinde und zu einem bleibenden Zerwürfnis mit dem Architekten, das auch in den Pressemedien der Stadt öffentlich wurde. Der Unmut vieler über das Scheitern war groß. Aber der Kirchenvorstand hatte eine neue Handlungsfreiheit gewonnen. Zur besseren Kommunikation der Gremien wurde ein Bauausschuß aus je drei Mitgliedern des Kirchenvorstands und des Pfarrgemeinderats berufen und der bekannte Berliner Architekt Manfred Gehrmann um Mitwirkung gebeten.

Im gleichen Herbst griff der Jesuitenprovinzial in das Geschehen ein. Er löste den bisherigen Pfarrer P. Hans-Otto Husmann SJ ab und berief zum neuen Pfarrer P. Albert Giesener SJ, der am 15. Februar 1998 als Pfarrer eingeführt wurde. Auf Vorschlag von P. Giesener wurde im März 1998 mit Zustimmung aller Beteiligten Architekt Alois Peitz BDA aus Trier beauftragt, die Gemeinde beim Kirchbau  zu beraten und zu begleiten. Herr Peitz verfügte über eine dreißigjährige Kompetenz und Erfahrung als Diozesanarchitekt des Bistums Trier. Mit seiner kraftvollen und freundlichen Persönlichkeit, seinem Fachwissen und seiner tiefen Verständnis zur Liturgie der katholischen Kirche moderierte Herr Peitz fortan die Beratungen des Bauherrn im Kirchenvorstand, im Pfarrgemeinderat und bei mehreren großen Pfarrversammlungen. Schon bei einer ersten Besichtigungsfahrt zu Kirchen am Niederrhein konnte im Bauausschuss der Gemeinde nach den bitteren vorangegangen Zeiten wieder herzlich gelacht werden. Zum Bauausschuss wurden dann auch der Superior der Jesuitenkommunität des Ignatiushauses, P. Hermann Kügler  und der Vorsitzende der erzbischöflichen Kommission für sakrale Kunst und kirchliches Bauen, Domvikar Peter Wehr eingeladen.

Im September 1998 stellte Herr Peitz die Vorstellungen und Ergebnisse dieser Beratungen auf einer Pfarrversammlung vor. Danach vereinbarte der Kirchenvorstand mit dem 3. Preisträger des Wettbewerbs, also mit den Architekten Büttner, Neumann, Braun, der Gemeinde einen ganz neuen Entwurf für eine ?Kirche am Wege? abzugeben. Die städtebauliche Planung sollte dabei Berücksichtigung finden. Auf der Grundlage dieses neuen Entwurfes konnte dann im Dezember 1998 mit Zustimmung des Erzbistums Berlin vom Kirchenvorstand der Architektenvertrag mit dem Architekturbüro Büttner, Neumann, Braun vereinbart werden. Darin wurde u.a. vereinbart, dass sich die Architekten im Rahmen des angenommenen Konzepts auf Wünsche und Anregungen der Kirchengemeinde einlassen und im Sinne der Partizipation einvernehmliche Lösungen erarbeiten.

Im Mai 1999 stellten die Architekten ihre Planungen auf einer Pfarrversammlung vor. In vielen  Beratungen und Entscheidungen im Bauauschuss, Pfarrgemeinderat und vor allem im Kirchenvorstand wurde dann die Planung der Architekten und Fachingenieure bis zur Ausführungsreife beraten und entschieden. Für die Vergabe, Kostenüberwachung und Bauüberwachung  wurde Architekt Peter Flucke, Bauplanungsbüro eins bis neun, Berlin hinzugezogen.

Im April 2000 wurde der bisherige Hort und die alte Sakristei abgerissen und mit dem Neubau begonnen. Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky feierte mit der Gemeinde am 8. Mai 2000 die Grundsteinlegung und weihte die Kirche am 28. Juni 2002 ein.

Im Jahr 2000 erwarb der kirchliche Bauträger, die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH, Köln, das Grundstück des erzbischöflichen Erich-Klausener-Hauses an der Witzlebenstraße 30 und errichtete dort neu ein Wohn- und Geschäftshaus, sowie für die Kirchengemeinde ein Gemeindezentrum mit Saal und Jugendräumen. Diese Gebäude wurden im Herbst 2003 fertiggestellt. In dieses Haus  verlegten neben anderen Eigentümern die Jesuiten von der Neuen Kantstr. 1 ihre Wohnungen und bezogen im Erdgeschoß die Räume des Forums der Jesuiten. Auch das Pfarrbüro bezog in diesem Neubau einige Räume am Kirchvorplatz.