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Kirchenraum 

Neben der Anordnung der Kirche auf dem Grundstück mit der Durchwegung von der Straße zum Lietzenseepark, waren es vor allem innenräumliche Gestaltungselemente, die von Anfang an den Bauauschuss der Gemeinde diesem Entwurf zustimmen ließ. Die neue Kirche St. Canisius liegt in einem nach Westen offenen Häuserviertel, ihre Front öffnet sich über den Vorplatz zum Lietzenseepark. Für Fußgänger ist sie von der belebten Kantstraße und von der Suarezstraße  gut zugänglich. Insofern entspricht dies den Vorüberlegungen der Gemeinde für eine zeitgemäße Kirche. Sie soll eine Kirche am Weg sein, im wörtlichen und weiterführenden Sinn.

Der ungewöhnlich große Freiraum, der sogenannte Offene Raum, zieht den Blick auf die Kirche auf sich und lockt viele an, die fragen, was ist dies für ein Gebäude. In der Gemeinde und im Bauausschuss löste er immer wieder Fragen nach dem Sinn, dem Zweck aus. Außen wie innen bildet er einen hohen Rahmen, der den Innenraum und die Außenansicht erweitert. So erinnert der Offene Raum an die Überhöhung einer barocken Kirche durch die Kuppel, z.B. des Doms von St. Blasien. In St. Canisius erscheint diese Erweiterung um 90 Grad auf die Erde gesenkt. Die Architekten sprachen anfänglich vom Paradies genannten Vorhof romanischer Kirchen oder vom Himmlischen Jerusalem. Obwohl auf dem oberen Platz manche liturgische Feiern möglich sind, stimmten Architekten und Gemeinde darin überein, dass dieser Offene Raum zweckfrei bleiben und nicht allgemein zugänglich werden solle.

Erst nach der Weihe der Kirche erfasste die Gemeinde bei den Gottesdiensten, dass der Offene Raum von innen durch das südliche, hohe Fenster den Anwesenden Freiheit gewährt. Die Gemeinde erfährt sich nicht eingeschlossen, der Blick kann durch das große seitliche Fenster in die Welt nach draußen wandern. Aber das Auge gleitet leicht wieder zurück nach innen, weil die hohe Betonwand hinter dem erhöhten Platz den Ausblick rahmt und einfasst. Der Trierer Künstler Guy Charlier, der den Altar aus Kalkstein entwarf, gab der Verbindung von außen und innen einen starken, sinnfälligen Ausdruck, indem er eine dem Hauptaltar ähnliche Skulptur auf den äußeren Platz stellte.

Überraschend für viele Besucher ist die Kirche innen ein heller, lichterfüllter und erhabener Raum. Die Hauptausrichtung weist nach Osten. Aber zugleich weitet sich der Raum nach einer sehr durchgearbeiteten Geometrie zu einer Durchdringung kreisförmiger und rechteckiger Formen, welche bis in den Offenen Raum erlebbar werden. Vom Eingang kommen die Eintretenden zuerst in einen Halbkreis, über dem die Decke schützend niedriger ist. Ein besonderer Lichteinfall durch eine das ganze Gebäude durchgehende Röhre macht auf den Tabernakel aufmerksam. Dies gibt dem Tabernakel eine herausgehobene Aufstellung. Am Tabernakel findet sich  ein Ort der Andacht für die dort aufbewahrte eucharistische Brotspeise.

Von Osten dringt bei Tage durch ein hohes Glasfenster indirekt viel Licht in den hohen Raum. Das große Fenster wird durch eine bis zur Decke reichende Wand 'verdeckt'. Zwischen dem Eingang und dieser Wand erhebt sich mit 16 m Höhe der Hauptraum der Kirche. Rechts wird dieser Raum von einer Wand abgeschlossen, die unten durch ein 15 m langes und 6 m hohes Fenster geöffnet ist, das den Blick in den "Offenen Raum" frei gibt.

Überraschend ist auch die Gestaltung der Marienkapelle. Sie ist im Gegensatz zum äußeren Sichtbeton und den verputzten Innenwänden ganz aus Lärchenholz neben dem Haupteingang errichtet. Sie dient dem stillen Gebet oder gemeinsamem Beten in kleiner Gruppe, z.B. des Rosenkranzes.

Die liturgischen Orte zur Feier der Gottesdienste sind also nicht kompakt angeordnet, sondern im ganzen Kirchenraum verteilt. Vor dem seitlichen Fenster befindet sich der Ort der Taufe. Das Taufbecken steht vor dem Fenster, dahinter ist eine niedrige Natursteinwand, an der Wasser herabfließen kann.
Massiv steht der nur 10 cm erhöhte Altar aus hellem Kalkstein im Zentrum. Vor dem Altar und der hohen Wand wird ein Kreis für die Versammelten frei gehalten. Für die christliche Feier ist die Gemeinschaft, die Kommunion wesentlich. Daher sind die 150 Stühle für die Gottesdiensteilnehmer im Halbkreis so vor dem Altar so angeordnet, dass immer Platz für die Abläufe der Feier gegeben ist. Seitlich vor dem Fenster sind die Sitze für den Vorsitzenden des Gottesdienstes und Ministranten. Und gleich im Eingangsbereich wird der Besucher zur Heiligen Schrift geführt, wo auf einer Kalksteinstele eine schöne Bibel mit Bildern von Marc Chagall aufgeschlagen liegt.

Das Pflaster der Außenflächen führt in den Kirchenraum, der mit dem gleichen Mosaikstein aus grauem Sandstein gepflastert ist und zeigt, hier ist kein Wohnraum sondern Versammlungsraum.

An besonderen Festtagen oder Feiern werden die 11 m hohen Portaltüren geöffnet, sodass die äußere Welt in den Innenraum flutet und die Versammelten direkt ins Freie zum Kirchvorplatz gelangen. Das Orgelwerk wird einmal über dem Eingang eingebaut werden. Der Orgelspieltisch wird dort sein, wo jetzt ein Orgelpositiv aufgestellt ist. Vor dem Tabernakel befinden sich Kniebänke und Sitze und in der Nähe ist seitlich die Tür zum Beichtzimmer für den persönlichen Empfang des Bußsakraments.

Der Kirchenraum bietet also einen reichhaltigen, offenen Handlungsbereich für verschiedene kleine und größere Gruppen, für eine Vielfalt unterschiedlicher Feiern und Gottesdienste. Die Bestuhlung für insgesamt 230 Plätze in der Kirche ist variabel. Die halbkreisförmige Wand im niedrigen Teil hat eine durchgehende Sitzbank, auf der bis zu 80 Menschen sitzen können. Gewöhnlich sind nicht alle Stühle im Kirchenraum aufgestellt, die für Gottesdienste an Feiertagen oder großen Festen nötig sind.

Die Ausstattung der Kirche ist sparsam, auf das Notwendige beschränkt. Jedoch vier Bildwerke fallen auf: An der Nordwand wurde der Christuskorpus von Gerhard Schreiter aus der alten Kirche wieder angebracht. Beim Brand der Kirche glühte er aus. Trotzdem blieb er erhaben und eindrucksvoll: Sie sollen aufschauen zu dem, den sie durchbohrt haben.

In der Marienkapelle steht wieder die Mondsichelmadonna, welche 1943 mitten im Krieg Otto  Moroder in Mayrhofen (Tirol) aus Lindenholz nach einer Vorlage aus Breslau schnitzte. Diese Figur überdauerte zweimal den Untergang der Kirche von St. Cansius - 1943 und 1995 - und wird von den Gemeindemitgliedern sehr geachtet.

Zum ökumenischen Kirchentag im Jahr 2003 wurde das Bild ?Golden fields? von Winfried Muthesius erworben und hinter dem Altar angebracht.

Seit April 2006 hängt in der Nähe des Tabernakels ein kostbares Gemälde aus dem 16. Jahrhundert "Die Auferstehung Christi".

Diese Kunstwerke ergeben für die Gläubigen einen Zusammenhang: Der Beginn des Lebens eines Menschen kann in der Marienfigur erkannt werden. Sie erinnert an die Darstellung der Verkündigung Mariens: Du wirst ein Kind empfangen, dem sollst du den Namen Jesus geben und er wird Sohn des Höchsten genannt werden. An den Tod und das Ende des Lebens erinnert der vom Kirchbrand gezeichnete Christuskorpus von Prof. Schreiter. Auf das neue Leben, das in der Auferstehung erhofft wird, weisen das Gold des Tabernakels, das Gemälde von der Auferstehung Christi und des Bild des Goldenen Felds über dem Altar hin. Zwischen diesen Stationen des Lebens befinden sich beim Gottesdienst die Menschen und erleben so die Wirklichkeit des menschlichen Weges von der Geburt über den Tod zur Auferstehung.