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Auferstehung Christi Gemälde 

Auferstehung Christi
Öl auf Holz
Ercole Ramazzani (1530-1598) zugeschrieben
entstanden um 1550-1570

Wir sehen Christus als Sieger über den Tod. Er ist auferstanden und steht in aufrechter Haltung auf dem Erdboden, auch im Blick dem Betrachter frontal zugewandt. Sein hell durchlichteter Leib trägt die Wundmale und ist umhüllt von einem leuchtend roten Mantelumhang, die rechte Hand ist zum Segensgruß erhoben und weist in den Himmel. In der Linken hält er einen goldenen Kreuzstab mit angeheftetem weißen Siegesbanner. Seine Gestalt ist schlank und hoheitsvoll und beherrscht den Bildraum, obwohl sie leicht aus der Mittelachse herausgerückt ist, um den Blick auf die Landschaft im Hintergrund freizugeben: eine italienische Stadt an einem Fluß mit Hügeln und Bergen, über die sich symbolhaltig ein rosafarbener Morgenhimmel ausbreitet.

Die hohe Gestalt des Auferstandenen teilt den Bildraum in zwei unterschiedliche bzw. gegensätzliche Seiten. Auf der vom Betrachter aus rechten Seite befindet sich ein wuchtiger steinerner Sarkophag, streng  und hermetisch in der Form. Er ist bewacht von einem bewaffneten Soldaten in Rüstung, der reglos und fest schläft, vom Sarg und der lichten Christusgestalt abgewandt, den Kopf in die Hand gestützt, das Gesicht halb verschattet. Nach hinten abgeschlossen und regelrecht verriegelt wird die rechte Bildhälfte von einer dunklen tiefen Felsenhöhle, der dunkelsten Partie des gesamten Bildes, die  den Bereich des Todes verkörpert und im Gegensatz zur Weite und Offenheit des Himmels steht.

Der schlafende Wächter bemerkt die Auferstehung Christi und das Morgenrot am Horizont nicht, im Gegensatz zu seinen bewaffneten Mitstreitern auf der gegenüberliegenden Bildseite. Sie torkeln umher, erfasst von einer imaginären Kraft und einem unwirklichen Licht, das ihre Waffen unschädlich macht und ihre Uniformen in kühn schillernde Farben taucht. Ein großes Ergriffensein, ein Erwachen hat diese Figuren erfasst, dazu passen auch die frühlingsgrünen Baumkronen, bildsymbolisches Gegenteil zur vegetationsarmen finsteren Grabeshöhle auf der anderen Seite, in die das  Auferstehungsbanner kontrastreich und weiß hineinflattert. Auffällig sind die extravaganten Posen und Gesten der athletisch und muskulös gebauten Körper, die aber keineswegs natürlich wirken, sondern  künstlich und theatralisch in ihren kalkulierten Richtungswechseln, Drehungen und Windungen. Sie sind betont instabil und kontrastierend angelegt und folgen einem diagonalen Tiefensog innerhalb der Bildkomposition und bilden einen dynamischen Kontrast zur stillen Spiritualität des Auferstandenen. Er zitiert in Haltung, Gestik und Mimik den Typus spätmittelalterlicher Auferstehungsbilder der nordalpinen, vor allem altniederländischen Tradition, während die virtuos taumelnden Soldaten der  manieristischen Schule der italienischen Malerei der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zuzuordnen sind. Ercole Ramazzani, der in der Region der Marken tätig war, ist ein Vertreter dieser Schule und könnte ? so die kompetente Auskunft von Dr. Roberto Contini, Kurator an der Gemäldegalerie-Staatliche Museen zu Berlin - dieses ehemalige Altarbild gemalt haben, das über unbekannte Wege in Berliner Privatbesitz gelangte.

Die St. Canisius - Kirche lebt vom großen Atem ihres weiten offenen Raumes. Zurückhaltung ist geboten bei der nachträglichen Ausstattung mit Bildwerken. Der ergreifende Corpus Christi von Gerhard Schreiter (1955) aus dem Vorgängerbau und das abstrakte, geheimnisvoll schimmernde Goldfeld von Winfried Muthesius (2003) hinter dem Altar sind bislang die einzigen Kunstwerke im Hauptraum der Kirche. Das farbintensive und spannungsreiche Gemälde der Auferstehung Christi, gemalt in einer ganz anderen Zeit und für einen anderen Ort, könnte im puristischen Raum von St. Canisius eine unerwartete Kraft entfalten, könnte mit dem zeitgenössischen Sakralraum in einen spannungsvollen Dialog treten ? um der Verkündigung willen.

Christine Goetz, Kunstbeauftragte des Erzbistums Berlin, April 2006

Die Gemeinde St. Canisius dankt Herrn Prälat und emer. Dompropst Otto Riedel, dass er das kostbare Ölgemälde aus seinem Privatbesitz unserer Kirche als Leihgabe des Berliner Metropolitankapitels zur Verfügung stellt. Er selbst erhielt das Bild als Geschenk von Geistl. Rat Dr. Georg Auditor, dem früheren Pfarrer von St. Sebastian in Berlin-Wedding.